„Hope will never be silent“ Harvey Milk

Hedwig Jung-Danielewicz

Uhlandstraße 21

Hedwig Danielewicz wurde am 5. Dezember 1880 in Berlin geboren. Sie hatte einen Bruder, Richard (geboren 1879), sowie drei Schwestern: Else (geboren 1882), Klara (geboren 1886) und Käte (geboren 1890).

1901 bestand Hedwig das Abitur und begann in Berlin mit dem Medizinstudium. Da sich der dortige Ordinarius für Anatomie weigerte, Frauen zu seinen Vorlesungen und Semesterübungen zuzulassen, setzte Hedwig Danielewicz ihr Studium an den Universitäten in Heidelberg und Freiburg fort. In Heidelberg wurde sie als „Sohn“ des Michaelis Danielewicz eingetragen.

Hedwig beschrieb ihre Studienzeit als nicht sehr glücklich: Sie lebte sehr zurückgezogen und musste mit Vorurteilen sowohl gegen weibliche als auch gegen jüdische Studierende kämpfen. 1908 promoviert, zog sie 1911 nach Düsseldorf und eröffnete ihre Praxis als Frauen- und Kinderärztin auf der Schadowstraße.

1912 lernte sie den zwei Jahre jüngeren Maler Carl Jung-Dörfler kennen, der aus einem kleinen Ort im Siegerland stammte. Hedwig Danielewicz konvertierte zum katholischen Glauben, bevor sie ihn 1916 heiratete. Nach Carl Jung-Dörflers Entlassung aus dem Kriegsdienst – er war nach einem Zusammenbruch dienstuntauglich geschrieben worden – zog das Paar in die Uhlandstraße 23, wohin Hedwig Jung-Danielewicz auch ihre Praxis verlegte. Die Ehe blieb kinderlos.
1927 starb Carl Jung-Dörfler im Alter von 49 Jahren an den Folgen eines Knochensarkoms, das zur Amputation seines linken Unterschenkels geführt hatte. Unermüdlich versuchte Hedwig Jung-Danielewicz, die etwa 200 Werke ihres Mannes als zusammenhängenden Nachlass zu sichern.

1934 erkrankte sie an Krebs, ihr Einkommen nahm stetig ab. Immer weniger Patientinnen trauten sich, ihre Praxis aufzusuchen, und zum 1. Oktober 1938 wurde ihr als „Nichtarierin“ die Zulassung als Ärztin endgültig entzogen.
1939 starb ihre Mutter Henriette im Alter von 80 Jahren in Düsseldorf, und Hedwig zog zu ihrer Schwester Else in die Uhlandstraße 28.

Am 10. November 1941 wurden die Schwestern ins Ghetto von Minsk deportiert. Zwei Wochen zuvor hatte Hedwig ihre 1933 begonnenen Aufzeichnungen mit dem Titel Das Leben einer Konvertitin an die katholische Schriftstellerin Gertrud von le Fort geschickt, und in einem kurzen Brief an ihren Neffen Hans in der Schweiz um schnellstmögliche Hilfe zur Einreise nach Kuba oder „evtl. einem anderen Land“ gebeten und sich verabschiedet: „…lebt alle herzlich wohl, ich habe Mut und Gottvertrauen und halte den Kopf hoch…“

Im Minsker Ghetto wirkte Hedwig als Krankenbetreuerin. Es gelang ihr, über den deutschen Wehrmachtsangehörigen Max Luchner den Kontakt zu ihrer Schwester Klara aufzubauen. Klara konnte über Luchner Lebensmittel und Medikamente ins Ghetto schmuggeln. Else Danielewicz wurde im Zuge einer „Aktion“ im Ghetto getötet. Auch Hedwig Jung-Danielewicz hat nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

AB HERBST!

Düsseldorf 1941. Jahr der Eskalation
Eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Wieso hingen die Morde an psychisch Kranken und der Beginn des Holocaust im Jahre 1941 voneinander ab? Wie sah die Verschärfung der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik in Düsseldorf in diesem Jahr konkret aus? Warum begann im Oktober die Deportation der jüdischen Bevölkerung? Wie zeigte sich der Krieg, der im Sommer in den Osten Europas getragen worden war, im Winter in der Stadt?
Diesen Fragen geht die Ausstellung nach. Sie zeigt eine grenzenlose Eskalation der Gewalt und eine dramatische Zuspitzung aufgrund der Kriegslage. Und sie dokumentiert Zusammenhänge und Widersprüche des dritten Kriegsjahres 1941.
Die Besetzung des Balkans und Griechenlands (April), der Angriff auf die Sowjetunion (Juni) und der Eintritt der USA in den Krieg (Dezember) waren einschneidende Ereignisse des Jahres. Die Entscheidung der NS-Führung für die Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden war eng mit diesem Kriegsverlauf verknüpft. Der Krieg schuf die Bedingungen für den Völkermord. Es entfaltete sich eine Dynamik des Tötens. Und Düsseldorf war Teil dieses Geschehens.
Die Imagination einer geschlossenen „Volksgemeinschaft“ wurde aufrechterhalten – während in der Stadt die Massenverbrechen ihren Ausgang nahmen. Das Jahr 1941 war eine Wegmarke von der gespielten Normalität des „Dritten Reiches“ in den Abgrund der Katastrophe.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Bastian Fleermann, Dr. Frederike Krenz und Hildegard Jakobs.
Eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.