„Das Wort ergreifen,   
heisst immer auch handeln.“
Siegfried Lenz

Gertrud Herz

Luegallee 83

Am 8. November 1890 wurde Gertrud Herz in Breslau als Tochter des Kaufmanns Gustav Gottstein und dessen Ehefrau Johanna, geborene Behrend, geboren. Gertrud hatte noch einen zwei Jahre jüngeren Bruder, Otto Gottstein. Die Familie unterhielt in den 1920er Jahren in Leipzig eine Firma, die mit Rauchwaren handelte.

1923 heiratete Gertrud in Leipzig den Ingenieur Walter Herz. Ihr Mann war am 22. September 1877 in Bochum geboren worden und war Chefingenieur der „Mannesmann-Röhrenwerke“, die 1918 die „Wittener Stahlröhrenwerke“ übernommen hatten. Am 27. Februar 1924 wurde in Leipzig ihr einzige Kind geboren: Irene.

Im April 1937 zog die Familie nach Düsseldorf-Oberkassel. Ihr Mann Walter Herz erhielt bei den „Mannesmann Werken“ in Ratingen eine Anstellung als technischer Zeichner. Die Familie wohnte im Haus Luegallee 83. Ihre Tochter Irene wurde am 14. April 1937 in die Cecilienschule aufgenommen. Bei der Anmeldung wurde ihre Religion als „evangelisch“ angegeben. Der geforderte „Ariernachweis“ konnte jedoch bei der Anmeldung nicht erbracht werden.

Nach der Pogromnacht 1938 beschloss das Ehepaar Herz, ihre Tochter nach England zu schicken. Irene konnte 1939 mit einem der Kindertransporte ausreisen. Ihnen selbst glückte die rechtzeitige Emigration nicht. Zuletzt mussten sie in das Judenhaus Goethestraße 12 umziehen. Gertrud Herz wurde mit ihrem Ehemann am 10. November 1941 nach Minsk deportiert. Beide haben nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

AB HERBST!

Düsseldorf 1941. Jahr der Eskalation
Eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Wieso hingen die Morde an psychisch Kranken und der Beginn des Holocaust im Jahre 1941 voneinander ab? Wie sah die Verschärfung der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik in Düsseldorf in diesem Jahr konkret aus? Warum begann im Oktober die Deportation der jüdischen Bevölkerung? Wie zeigte sich der Krieg, der im Sommer in den Osten Europas getragen worden war, im Winter in der Stadt?
Diesen Fragen geht die Ausstellung nach. Sie zeigt eine grenzenlose Eskalation der Gewalt und eine dramatische Zuspitzung aufgrund der Kriegslage. Und sie dokumentiert Zusammenhänge und Widersprüche des dritten Kriegsjahres 1941.
Die Besetzung des Balkans und Griechenlands (April), der Angriff auf die Sowjetunion (Juni) und der Eintritt der USA in den Krieg (Dezember) waren einschneidende Ereignisse des Jahres. Die Entscheidung der NS-Führung für die Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden war eng mit diesem Kriegsverlauf verknüpft. Der Krieg schuf die Bedingungen für den Völkermord. Es entfaltete sich eine Dynamik des Tötens. Und Düsseldorf war Teil dieses Geschehens.
Die Imagination einer geschlossenen „Volksgemeinschaft“ wurde aufrechterhalten – während in der Stadt die Massenverbrechen ihren Ausgang nahmen. Das Jahr 1941 war eine Wegmarke von der gespielten Normalität des „Dritten Reiches“ in den Abgrund der Katastrophe.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Bastian Fleermann, Dr. Frederike Krenz und Hildegard Jakobs.
Eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.