„Wer die Vergangenheit
                nicht kennt, kann die
Gegenwart nicht verstehen
und die Zukunft         
            nicht gestalten.“Helmut Kohl ehemaliger Bundeskanzler

Anna Steinberg, geborene Magnus

Achenbachstraße 74

An der Wohnadresse wurden drei Stolpersteine für die Familie Steinberg verlegt.

Anna Steinberg, geborene Magnus, Richard Steinberg und Helmut Steinberg

Anna Steinberg, geborene Magnus, wurde am 10. April 1882 in (Wuppertal-) Elberfeld geboren. Sie heiratete den Kaufmann Albert Steinberg. Am 12. Dezember 1914 wurde in Düsseldorf ihr erster Sohn Helmut geboren, es folgten am 1. Dezember 1916 Richard und am 14. Dezember 1920 Herbert. Richard Steinberg war geistig behindert. Eine Cousine berichtet, dass er in seiner Entwicklung auf dem Stand eines Dreijährigen stehen geblieben, aber sehr ruhig, sehr lieb und niemals irgendwie aggressiv oder unruhig war. „Ich erinnere mich, wie er als ca. 20-jähriger mit Bausteinen spielte und sehr gerne Musik hörte. (…) keiner hätte daran gedacht, ihn in ein Heim zu geben.“

Albert Steinberg gründete auf der Düsseldorfer Königsallee 46 das Modehaus Steinberg. Als er 1927 starb, übernahm Anna Steinberg die Leitung des Geschäfts. In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden die Geschäftseinrichtung und der Warenbestand schwer beschädigt. „Außer der sehr wertvollen Einrichtung unseres Geschäftes, die fast vollständig zerstört worden ist, hat auch ein sehr großer Teil der Warenbestände Schaden erlitten“, schrieb Anna Steinberg am 28. November 1938 in einem Brief an die Firma A. Doering & Co. in Appenzell in der Schweiz. „Obgleich wir seit dem 10. November keinerlei Einnahmen mehr haben, verbleiben auf der anderen Seite die laufenden Spesen, wie Miete, Löhne, Gehälter usw. in voller Höhe bestehen. Außerdem werden wir (…) für die Wiederherstellung unserer Schaufensterpassage, deren Spiegelscheiben restlos in Trümmer gingen, in Anspruch genommen. Um aus dieser schwierigen Lage einen Ausweg zu finden (…), haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, einen Antrag zum Konkurs zu stellen (…).”

Herbert und Helmut flohen nach der Pogromnacht ins Ausland. Herbert meldete sich am 15. Mai 1939 nach London ab, Helmut am 14. September 1939 nach Brüssel. Nach der deutschen Besetzung wurde Helmut Steinberg in Belgien verhaftet und in der Folgezeit in mehreren französischen Lagern interniert: So kam er zuerst nach Le Vigeant, anschließend nach Saint-Cyprien und am 26. August 1942 nach Rivesaltes. Von dort wurde er am 11. September 1942 über das Sammellager Drancy nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Am 5. Juli 1939 wurde Richard Steinberg gegen den Willen seiner Mutter in die Heil- und Pflegeanstalt Grafenberg eingewiesen und am 15. Februar 1941 im Rahmen der Krankenmordaktion „T4“ ermordet. Anna Steinberg wurde am 10. November 1941 ins Ghetto von Minsk deportiert. Sie hat nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

AB HERBST!

Düsseldorf 1941. Jahr der Eskalation
Eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Wieso hingen die Morde an psychisch Kranken und der Beginn des Holocaust im Jahre 1941 voneinander ab? Wie sah die Verschärfung der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik in Düsseldorf in diesem Jahr konkret aus? Warum begann im Oktober die Deportation der jüdischen Bevölkerung? Wie zeigte sich der Krieg, der im Sommer in den Osten Europas getragen worden war, im Winter in der Stadt?
Diesen Fragen geht die Ausstellung nach. Sie zeigt eine grenzenlose Eskalation der Gewalt und eine dramatische Zuspitzung aufgrund der Kriegslage. Und sie dokumentiert Zusammenhänge und Widersprüche des dritten Kriegsjahres 1941.
Die Besetzung des Balkans und Griechenlands (April), der Angriff auf die Sowjetunion (Juni) und der Eintritt der USA in den Krieg (Dezember) waren einschneidende Ereignisse des Jahres. Die Entscheidung der NS-Führung für die Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden war eng mit diesem Kriegsverlauf verknüpft. Der Krieg schuf die Bedingungen für den Völkermord. Es entfaltete sich eine Dynamik des Tötens. Und Düsseldorf war Teil dieses Geschehens.
Die Imagination einer geschlossenen „Volksgemeinschaft“ wurde aufrechterhalten – während in der Stadt die Massenverbrechen ihren Ausgang nahmen. Das Jahr 1941 war eine Wegmarke von der gespielten Normalität des „Dritten Reiches“ in den Abgrund der Katastrophe.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Bastian Fleermann, Dr. Frederike Krenz und Hildegard Jakobs.
Eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.