„Wer die Vergangenheit
                nicht kennt, kann die
Gegenwart nicht verstehen
und die Zukunft         
            nicht gestalten.“Helmut Kohl ehemaliger Bundeskanzler

Alma Fuhrmann

Ludenberger Straße 37

Der Kaufmann Ludolf David (1856-1921) und dessen Frau Bertha, geborene Cahn (1861-1934) waren 1895 von Berlin nach Düsseldorf gezogen. Bertha David stammte aus Orsoy am Niederrhein. In Düsseldorf kamen ihre drei Töchter zur Welt: Frieda (geboren 1897), Erna (geboren 1898) und Anna, genannt Alma, die als jüngste am 27. November 1900 geboren wurde. Zu diesem Zeitpunkt wohnte die Familie in der Carlstadt im Haus Schwanenmarkt 21.
1901 konnte Bertha David in letzter Sekunde ein Konkursverfahren gegen ihr Bürsten- und Korbwarengeschäft abwenden. Zentrale des Geschäftes war im Haus Schwanenmarkt 21 und sie hatte noch zwei Filialen, eine in der Nordstraße 23 und eine in der Kölnerstraße 2. 1913 unterhält die Familie ein Bürstenwaren und Ledergeschäft in der Worringer Straße 110. Am 8. Mai 1921 verstarb Ludolf David und seine Frau führte das Geschäft, möglicherweise mit Hilfe ihrer Töchter, weiter. 1926 ist die Firmenadresse Worringer Straße 118, die Wohnung der Familie in der Nummer 111.

Am 20. August 1927 heiratete Anna Alma David den katholischen Schreiner Paul Fuhrmann (geboren am 31. Juli 1902) aus Düsseldorf-Rath. Doch ihr Mann verstarb am 19. Juni 1930 nach drei Jahren Ehe im Alter von nur 28 Jahren. Anna Fuhrmann verdiente nun ihren Lebensunterhalt als Handlungsgehilfin. Als Witwe Paul Fuhrmann ist sie 1932 in der Bolkerstraße 37 gemeldet, später dann in der Ludenberger Straße 37. Ihre Mutter wohnte in der Grünstraße 12. Vermutlich zog Anna Alma David zu ihr. Bertha David verstarb am 22. März 1934.

Am 17. Oktober 1940 musste sie von der Grünstraße 12 in das „Judenhaus“ Bachstraße 152 ziehen. Hier hatte auch ihr Onkel Eduard Cahn (1869-1940) seit den 1930er Jahren bis zu seinem Tod gelebt. Anna Alma Fuhrmann wurde am 10. November 1941 ins Ghetto von Minsk deportiert und hat nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

AB HERBST!

Düsseldorf 1941. Jahr der Eskalation
Eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Wieso hingen die Morde an psychisch Kranken und der Beginn des Holocaust im Jahre 1941 voneinander ab? Wie sah die Verschärfung der nationalsozialistischen Verfolgungspolitik in Düsseldorf in diesem Jahr konkret aus? Warum begann im Oktober die Deportation der jüdischen Bevölkerung? Wie zeigte sich der Krieg, der im Sommer in den Osten Europas getragen worden war, im Winter in der Stadt?
Diesen Fragen geht die Ausstellung nach. Sie zeigt eine grenzenlose Eskalation der Gewalt und eine dramatische Zuspitzung aufgrund der Kriegslage. Und sie dokumentiert Zusammenhänge und Widersprüche des dritten Kriegsjahres 1941.
Die Besetzung des Balkans und Griechenlands (April), der Angriff auf die Sowjetunion (Juni) und der Eintritt der USA in den Krieg (Dezember) waren einschneidende Ereignisse des Jahres. Die Entscheidung der NS-Führung für die Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden war eng mit diesem Kriegsverlauf verknüpft. Der Krieg schuf die Bedingungen für den Völkermord. Es entfaltete sich eine Dynamik des Tötens. Und Düsseldorf war Teil dieses Geschehens.
Die Imagination einer geschlossenen „Volksgemeinschaft“ wurde aufrechterhalten – während in der Stadt die Massenverbrechen ihren Ausgang nahmen. Das Jahr 1941 war eine Wegmarke von der gespielten Normalität des „Dritten Reiches“ in den Abgrund der Katastrophe.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Dr. Bastian Fleermann, Dr. Frederike Krenz und Hildegard Jakobs.
Eine Ausstellung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.