„Ein Recht gestehe ich keinem Menschen zu: das auf Gleichgültigkeit.“ Eli Wiesel

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Düsseldorf finden

Walter Eichenwald

Hauptstraße 46

Walter Eichenwald kam am 30. Dezember 1900 in Horstmar (Münsterland) als Sohn des Handelsmanns Levy Eichenwald und dessen Frau Selma, geborene Cohen, zur Welt. Er hatte noch fünf Geschwister: Ernst, Jenny, Else, Otto und Bertha. Zusammen mit seinem älteren Bruder Ernst übernahm Walter Eichenwald 1925 das elterliche Textileinzelhandelsgeschäft „Levy Eichenwald“. Am 11. März 1928 heiratete er in Benrath Theresia Heumann. Sie war dort am 13. Juli 1900 als Tochter von Jonas und Selma Heumann zur Welt gekommen. Sie hatte noch zwei Schwestern: Martha und Helene Heumann (später verheiratete Blumenfeld). Zusammen mit ihnen unterstützte Thea Heumann ihre Mutter nach dem Tod von Jonas Heumann am 4. Februar 1923 bei der Führung des elterlichen Geschäftes an der Hauptstraße 46 in Benrath. Nach der Hochzeit stieg ihr Mann Walter Eichenwald in das Geschäft ein.

Am 2. Juni 1930 wurde ihr Sohn Gert geboren. Im Jahr 1936 wurde er in die “Adolf-Hitler-Schule” (ehemals Evangelische Volksschule) an der Hauptstraße 48 direkt neben dem Geschäft eingeschult. Im Jahr 1937 musste Gert Eichenwald wegen seiner “nichtarischen Herkunft” zur Jüdischen Volksschule in der Kasernenstraße wechseln. Dies bedeutete für den 7-Jährigen nun einen langen Schulweg, den er jeden Tag bewältigen musste. Derweil versuchten seine Eltern eine Emigration vorzubereiten. Sie entschieden sich für eine Flucht in die Niederlande. Am 3. Dezember 1937 wurde Walter Eichenwald offiziell aus Düsseldorf dorthin abgemeldet. Wie viele Familienväter hatte er jedoch schon seit Anfang des Jahres den Neuanfang der Familie dort vorbereitet und auch eine Unterkunft gesucht. Seine Frau Thea und den Sohn Gert ließ er erst im Juli 1939 nachkommen. Die Familie wohnte dann in Eindhoven.

Im August 1942 – zwei Jahre nach der deutschen Besetzung der Niederlande – drohte den Eichenwalds wie allen jüdischen Einwohnern der Niederlande Inhaftierung, Verbringung in das „Judendurchgangslager“ Westerbork und Deportation. Während Thea Eichenwald und der Sohn Gert bei Hendrik Blum in Marheeze auf dem Bauernhof und ab 1943 in einem dem Bauernhof nahegelegenen Waldstück in einer Hütte Unterschlupf fanden, tauchte Walter Eichenwald gemeinsam mit seinem Schwager Paul Blumenfeld in Nuenen unter. Im Juni 1943 wurden beide verhaftet und über das „Judendurchgangslager“ Westerbork am 29. Juni 1943 in das Vernichtungslager Sobibór deportiert, wo sie am 2. Juli 1943 ermordet wurden.

Thea und Gert Eichenwald überlebten in ihrem Versteck. Gemeinsam mit Theas Schwester Martha und der Tochter von Theas Schwester Helene, Gabriele, emigrierten sie im Juli 1947 in die USA.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

PÄDAGOGISCHES ANGEBOT ZUR AUSSTELLUNG
Workshop „Ich mache mir ein Bild von dir“
Drei Werke Otto Pankoks und drei Lebensgeschichten junger Düsseldorfer Sinti:zze stehen im Mittelpunkt des Workshops. Anhand der Porträts von Ehra, Raklo und Gaisa nähern sich die Teilnehmer:innen dieser individuellen Darstellungsform an, fertigen eigene Skizzen und erproben verschiedene Materialien. Was bedeutet es, sich ein Bild von jemandem zu machen?
Die Spurensuche in der Sonderausstellung führt die Teilnehmer:innen zu den Lebensgeschichten der Sinti:zze vom Heinefeld. Wen zeichnete Otto Pankok? Wie erlebten die jungen Menschen die Verfolgung durch die Nationalsozialisten? Und wie trat man ihnen und anderen Sinti:zze nach Ende des Zweiten Weltkriegs gegenüber?
Der Workshop umfasst 2,5 Stunden und richtet sich an Jugendliche ab der 9. Klasse. Bitte beachten Sie, dass die Gruppen eine maximale Anzahl von 25 Schüler:innen nicht überschreiten sollten.
Der Eintritt in die Mahn- und Gedenkstätte sowie die Teilnahme am Workshop ist für Sie und Ihre Schüler:innen kostenfrei. Der Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte freut sich über eine Spende!