„Ihr tragt keine Schuld     
für das was passiert ist,          
      aber ihr macht euch schuldig
wenn es euch nicht interessiert“  
Esther Bejarano

Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Käthe Glücksmann, geborene Stern

Geibelstraße 39

Käthe Dorothea Stern wurde am 18. Mai 1886 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren der Rechtsanwalt Hermann Stern (1852-1905) und dessen Frau Margarethe, geborene Hirschfeld. Käthe hatte noch drei jüngere Geschwister: Walter Moritz Stern (geboren 1888), Charlotte Leonore (geboren 1891). Das Nesthäkchen der Familie war der am 15. März 1897 geborene Reinhard Paul Stern.

In Berlin-Wilmersdorf heiratete Käthe Stern am 21. Mai 1912 Robert Glücksmann. Er war 23. Juni 1877 in Grottkau in Schlesien als Sohn der Eheleute Isaak und Jenny Glücksmann zur Welt gekommen. Zum Zeitpunkt der Vermählung lebte Robert Glücksmann noch in Bern. Dort arbeitete er ab 1907 als Manager der Verkehrsschule Bern. Dort wurde auch am 25. März 1913 die Tochter Ursula geboren.
Von 1914 bis 1921 lehrte Professor Glücksmann dann Privatwirtschaftslehre an der von ihm gegründeten Hochschule für Hotel- und Verkehrswesen in Düsseldorf. Hier kam am 16. Juni 1916 der Sohn Klaus zur Welt. Das dritte Kind, Brigitte, genannt Gitta, wurde am 29. März 1924 in Düsseldorf geboren 1924. Im Jahr 1929 gründete und leitete ihr Ehemann das Forschungsinstitut für den Fremdenverkehr in Berlin. 1933 musste er seine Stellung dort aufgeben. Käthe Glücksmann, ihr Ehemann und auch die Kinder waren evangelisch getauft. Für die Nationalsozialisten galten sie jedoch als Juden beziehungsweise „Nichtarier“.
Nachdem ihr Mann als „Nichtarier“ nicht mehr publizieren durfte, versuchte er vergeblich, eine Aufenthaltsgenehmigung für die Schweiz zu bekommen. 1935 brach die Parkinson’sche Krankheit bei ihm aus.
Die älteste Tochter Ursula schloss 1936 in Berlin ihr Studium ab und verließ Deutschland 1938. Die beiden jüngeren Kinder Klaus und Gitta wandten sich bewusst der jüdischen Gemeinschaft zu, der sie durch die NS-Rassegesetzgebung zwangsweise angehörten. Klaus Glücksmann trat im Jahr 1938 offiziell der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf bei und war einer der führenden Jugendleiter des Jüdischen Pfadfinderbundes (JPB).

In der Pogromnacht vom 10. November 1938 wurde das Wohnhaus der Familie Glücksmann in der Geibelstraße 39 von Nationalsozialisten aufgesucht und die Einrichtung zertrümmert. Mit im Haus lebte seit 1930 auch die Mutter von Käthe Glücksmann, Margarethe Stern. Am 17. August 1939 konnte Gitta mit einem Kindertransport nach England einreisen, Klaus gelangte im Oktober 1939 illegal nach Palästina.
Am 18. April 1940 verstarb ihr Bruder Dr. jur. Walter Stern im KZ Sachsenhausen. Er war bereits 1937 wegen „Rassenschande“ verurteilt und inhaftiert worden. Die beiden anderen Geschwister, Charlotte und Reinhard, überlebten die NS-Zeit.

Am 21. Juli 1942 wurden Käthe und Robert Glücksmann und ihre Mutter Margarethe Stern von Düsseldorf in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Ihr Ehemann Robert war zu diesem Zeitpunkt schon so krank, dass er in den Eisenbahnwagen getragen werden musste. Am 10. September 1942 verstarb er im Ghetto. Ihre Mutter Margarethe Stern starb knapp ein Jahr später am 17. Juli 1943.

Käthe Glücksmann wurde am 9. Oktober 1944 von Theresienstadt aus in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet. Ihre Tochter Gitta kam am 19. Juni 1944 bei einem deutschen Luftangriff auf London ums Leben.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Stolperstein-Stadtrundgang durch Friedrichstadt
Sonntag, 09. Oktober 2022 um 14 Uhr

“Frau Klein, bereits im Nachthemd, warf man die Treppe herunter” – Gerta Faure, Vermieterin.
Die Familie des ehemaligen Rabbiners Dr. Siegfried Klein zählt sicher zu den bekanntesten Verfolgten und Opfern der Nationalsozialisten in Düsseldorf-Friedrichstadt. Wie sahen die Lebenswege der weniger bekannten Bewohner:innen des Stadtteils aus? Welche historischen Orte sind heute noch sichtbar? Begleiten Sie Philipp Lukas auf dem etwa 90-minütigen Rundgang durch Friedrichstadt und lernen Sie weitere Biographien, sowie historische Standorte der Verfolgung und die Geschichte des Viertels kennen.

Treffpunkt: Straßenbahnhaltestelle Fürstenplatz.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist nicht nötig