„Was man verstehen
gelernt hat,
        fürchtet man nicht mehr.“ Marie Curie

Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Berta Neuhaus

Fürstenwall 198

Berta Neuhaus wurde am 19. Januar 1873 als Tochter von Kallmann Joseph und Sarah Neuhaus, geborene Karlindacher, in Herleshausen geboren. Ihr Vater war zweimal verheiratet, aus der ersten Ehe ging ein Kind und aus der zweiten gingen neun Kinder hervor. Ihre Brüder Bernhard (geboren 1869) und Moritz Neuhaus (geboren 1870) blieben in Herleshausen und gehörten zum Vorstand der dortigen jüdischen Gemeinde.

1892 wohnte Berta Neuhaus als Lehrmädchen in Minden und meldete sich am 5. Juli 1892 nach Düsseldorf ab. 1911 starb ihr Vater in Herleshausen.

Berta Neuhaus war die Eigentümerin des Hauses am Fürstenwall 198 und wohnte dort in der zweiten Etage. Die restlichen drei Etagen-Wohnungen vermietete sie, ebenso das Souterrain, in dem 1933 ein Schuhmacher seinen Betrieb hatte. Berta Neuhaus hatte vor der NS-Zeit noch zusätzliche Einkünfte, da sie Anteile an einer Seifenfabrik der Familie besaß. In den Jahren nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde ihre finanzielle Situation immer schwieriger, und Berta Neuhaus richtete in ihrem Haus eine kleine Pension ein.

Berta Neuhaus wurde während der Pogromnacht 1938 in ihrem Haus überfallen, die Wohnungseinrichtung demoliert, und sie selbst am 10. November 1938 für einen Tag, bis zum 11. November 1938, im Polizeigefängnis Düsseldorf festgehalten.

In der im Oktober 1941 ausgefüllten Vermögenserklärung gab sie den Einheitswert ihres Hauses mit 22.550 RM an. Auf dem Haus lag allerdings eine Hypothek über 6.000 RM. Weiterhin besaß sie ein Konto bei der Deutschen Bank Düsseldorf in Höhe von 4.000 RM. Ihr gesamtes Vermögen wurde nach ihrer Deportation beschlagnahmt.

Berta Neuhaus wurde am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto von Łódź deportiert. Sie musste mit 61 weiteren Personen im Zimmer 5 der Kollektivunterkunft Fischstraße 21 leben. Hier wurde sie über das „Düsseldorfer Kollektiv“ versorgt und erhielt eine Brotkarte mit der Nummer 168690. Am 4. Januar 1941 wurde in den Unterlagen des „Düsseldorfer Kollektivs“ verzeichnet, dass Berta Neuhaus 19,30 Mark überwiesen bekommen hatte. Bereits am 16. Dezember 1941 war für sie der Betrag von 9,60 Mark vermerkt worden. Davon musste sie wie alle Kollektivmitglieder jeweils zwei Drittel an das „Düsseldorfer Kollektiv“ abführen.

Berta Neuhaus verstarb am 15. Februar 1942 im Ghetto von Łódź. Als Todesursache wurde „Herzmuskelschwäche“ angegeben.

Am 25. Mai 1942 beauftragte ein Wachtmeister der Schutzpolizei des Polizeireviers 6 der deutschen Gettoverwaltung Litzmannstadt den „Ältesten der Juden“, Ermittlungen zu drei Ghettoinsassen durchzuführen. Unter den Genannten war „Berta Sara Neuhaus, geb. 19.1.1873, zuletzt in Düsseldorf, Fürstenwall 198, wohnhaft“. Der Grund für die Ermittlungen ist in den Akten nicht überliefert.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Allen jüdischen Menschen wünschen wir von Herzen schöne Feiertage und einen guten Übergang in das neue Jahr 5783. Shana tova u‘metuka!

Unser Bild zeigt die Synagoge an der Kasernenstraße, die zwei Tage vor Erev Rosh haShana 5665 (6. September 1904) eröffnet wurde. Bis zur Zerstörung durch die Nationalsozialisten im November 1938 konnten die jüdischen Familien Düsseldorfs in dieser Synagoge ihre Feste und Gottesdienste begehen.