„Wer die Vergangenheit
                nicht kennt, kann die
Gegenwart nicht verstehen
und die Zukunft         
            nicht gestalten.“Helmut Kohl ehemaliger Bundeskanzler

Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Salomon Felix Brasch

Gumbertstraße 91

Salomon Felix Brasch kam am 30. September 1884 in Gnesen als Sohn der Eheleute Abraham und Sara Brasch, geborene Lewin, zur Welt. Sein Bruder Max Brasch starb 27-jährig als Soldat im Oktober 1915 im Ersten Weltkrieg. Felix Salomon Brasch kämpfte ebenfalls seit 1915 als Soldat im Ersten Weltkrieg. Zum Zeitpunkt der Musterung wohnte er in Nürnberg. Er erhielt mehrere Kriegsauszeichnungen, darunter das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse. Am 4. Dezember 1918 wurde er aus der Wehrmacht entlassen.
Sein Bruder Albert Brasch (1893-1964) heiratete die ältere Schwester seiner zukünftigen Frau Else Bluhm und lebte mit ihr in Berlin.

Salomon Felix Brasch heiratete 1920 die Kauffrau Hedwig Bluhm und trat als Prokurist in ihre elterliche Firma ein. Das Mode- und Manufakturwarengeschäft Gebrüder Bluhm im Haus Gumbertstraße 167 in (Düsseldorf-)Eller war 1910 von Louis und Isidor Bluhm gegründet worden. Das Geschäft wurde schnell bekannt und florierte, zumal der Weg zu vergleichbaren Angeboten in die Innenstadt weit war. Bluhms verkauften Stoffe, Kleidung, Handtücher, Wäsche und Kurzwaren aller Art.

Seine Frau Hedwig Herta Bluhm war am 25. April 1896 in Bruss, Kreis Konitz, als drittes Kind des Firmengründers zur Welt gekommen. Um die Jahrhundertwende war die Familie nach Düsseldorf gezogen. Als Louis Bluhm am 27. Februar 1918 verstarb, wurde das Geschäft von Hedwig Bluhm und ihrer Mutter Martha weitergeführt.
Nach der Hochzeit wohnte das Ehepaar Brasch im Haus Gumbertstraße 91 in Eller zusammen mit der Schwiegermutter Martha Bluhm. Ihr erstes Kind, Alfred Brasch, starb bereits im Alter von sechs Jahren. Am 3. März 1926 wurde Sohn Ludwig (Lutz) Brasch geboren.

Er besuchte zunächst die katholische Volksschule auf der Bernburger Straße, 1935 musste er auf die in der Düsseldorfer Innenstadt eröffnete Jüdische Volksschule wechseln. Wohnung und Geschäft der Familie Brasch mussten 1933 von der Gumbertstraße 167 ins Haus Gumbertstraße 91 verlegt werden.
In der Pogromnacht vom 10. November 1938 schlugen SA-Männer die Schaufensterscheiben des Geschäftes ein, zerstörten die Ladeneinrichtung und warfen die Waren auf die Straße. Dann drangen sie in die Wohnung ein, wo der 12-jährige Lutz mit hohem Fieber lag, und schlugen dort alles kurz und klein. Danach war die berufliche Existenz der Familie vollkommen zerstört.

Am 15. April 1939 musste die Familie Brasch ins „Judenhaus“ in der Grimmstraße 36 umziehen. Dort besuchten sie einige Tage im Oktober 1939 Hedwigs verwitwete Schwester Johanna „Anni“ Ebstein mit ihren beiden Kindern Bernhard und Martha vor deren Emigration in die USA. Auch ihren Geschwistern Albert Brasch und Else Brasch, geborene Bluhm, gelang die Flucht aus Deutschland. Ob Salomon und Hedwig Brasch eine Ausreise aus Deutschland vorbereiteten kann vermutet werden. Sie gelang jedoch nicht rechtzeitig. Am 10. November 1941 wurden Salomon, Hedwig und Lutz Brasch in das Ghetto von Minsk deportiert. Sie haben nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

AM ABEND – ÖFFENTLICHE FÜHRUNG DURCH DIE NEUE SONDERAUSSTELLUNG „MOLARI IM HEINEFELD“

In dieser Ausstellung wird der Frage nachgegangen, wer die dargestellten Menschen waren: Wen malte Pankok? Was wurde aus der dargestellten Person? Überlebte sie? Oder wurde sie zwischen 1933 und 1945 Opfer des Völkermords?
Also weder der bekannte Künstler, den die Sinti in ihrer Sprache liebevoll „Molari“ (Maler) nannten, noch seine Bilder stehen im Mittelpunkt; viel eher sind es die Biografien und familiären Zusammenhänge der Menschen, denen Pankok ein künstlerisches Denkmal gesetzt hat. Die Düsseldorfer Sinti der Dreißigerjahre waren keine anonyme Gruppe. Es waren Individuen.

Dienstag, 17. Januar um 17:30 Uhr

Keine Anmeldung nötig. Die Teilnahme ist kostenlos.