„Anders zu sein,        
das muss man üben.“ Dieter Linz

Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Marie Schöndorff, geborene Gross

Cecilienallee 19

Albert Schöndorff und Marie Schöndorff, geborene Gross

Albert Schöndorff wurde am 23. Dezember 1870 in Westheim in Westfalen geboren. Seine Eltern waren der Pferdehändler David Schöndorff und dessen Frau Bernhardine, geborene Cohn. Sein älterer Bruder Hermann Schöndorff war am 7. Oktober 1868 in Westheim zur Welt gekommen. Zusammen mit seinem Bruder gründete Albert Schöndorff 1890 das Ladengeschäft „Gebr. Schöndorff – Düsseldorfer Bettenfabrik“ in der Düsseldorfer Altstadt, Flingerstraße 28. Seine Mutter, die Witwe Bernhardine Cohn, lebte 1895 auch bereits in Düsseldorf. Sie wohnte in der Mittelstraße 5. 1897 verkauften Albert und Hermann Schöndorff das Bettwarengeschäft an Emil Lissauer und Josef Levy („Gebr. Schöndorff Nachf.“. Die Brüder hatten nun eine Holzbearbeitungsfabrik mit Sitz in der Derendorferstraße 36/38 gegründet. Albert Schöndorff wohnte zu dieser Zeit in der Benratherstraße 1. Ab 1898 war die Holzbearbeitungs- und Möbelfabrik der Gebrüder Schöndorff in der Ratherstraße 49.

Albert Schöndorff heiratete Marie Gross. Seine Frau war am 5. Dezember 1871 in Bruchsal zur Welt gekommen. Ihre Eltern Leopold Löw Gross und Rosa Klara Heymann hatten noch eine weitere Tochter: die am 18. Juli 1870 geborene Betty.
Nach der Hochzeit mit Albert Schöndorf bekam Marie Schöndorff zwei Söhne: Walter wurde 1896 geboren und Rudolf kam 1900 in Düsseldorf zur Welt.

Von 1912 bis 1917 war Albert Schöndorff Stadtverordneter für die Liberale Vereinigung. 1920 gründeten die Brüder Schöndorff eine Waggonfabrik. Auf dem Werksgelände an der Königsberger Straße 100 wurden u. a. die Straßenbahnen für Düsseldorf und andere Städte gebaut. Die Gebäude wurden zwischen 1916 und 1920 errichtet. Das aufwendig gestaltete, repräsentative Verwaltungsgebäude des Werks hatte Ähnlichkeit mit dem ehemaligen „Mannesmann-Haus“ des berühmten Architekten Peter Behrens. Albert Schöndorff war nun Generaldirektor der Firma „Gebrüder Schöndorff, Waggonfabrik und Karosseriebau, Fabrik für Warenhaus-Einrichtungen, Schaufenster-Dekorationsgegenstände und Wachsblüten“ wie das Düsseldorfer Adressbuch von 1927 ausweist. Mittlerweile wohnte Albert Schöndorff zusammen mit seiner Frau Marie in einer Doppelvilla in der Cecilienallee.

Am 30. September 1933 wurde der Belegschaft der „Gebr. Schöndorff AG“ (zu diesem Zeitpunkt rund 160 Mitarbeiter) mitgeteilt, dass der Gründer, Generaldirektor Albert Schöndorff, noch am gleichen Tag aus dem Unternehmen ausscheide. Kurz zuvor hatte ein Düsseldorfer Bankenkonsortium aus Commerzbank, Deutscher Bank und Dresdner Bank alle Schöndorff-Aktien erworben und war so Eigentümer der „Gebr. Schöndorff AG“ geworden. Die Firma erhielt die neue Namensbezeichnung „Düsseldorfer Waggonfabrik AG“ (Düwag).

Ihr Sohn Walter Schöndorff, der als Arzt in Düsseldorf in seinem Haus in der Gartenstraße 19 praktizierte, emigrierte am 9. Dezember 1937 nach New York. Sohn Rudolf Schöndorff, seit 1927 stellvertretendes Vorstandsmitglied der „Gebr. Schöndorff AG“, hatte in der Villa seiner Eltern gewohnt. Er zog 1933 nach der „Arisierung“ der Firma nach Berlin. Mit seiner Frau Elsa, geborene Sostheim, flüchtete er später nach Spanien.

Albert und Marie Schöndorff emigrierten am 12. September 1938 nach Amsterdam. Dort wohnten sie in der Jan van Eijckstraat 30. 1941 wurden auch in den Niederlanden jüdische Einwohner registriert. Ab dem 3. Mai 1942 mussten alle Juden in den Niederlanden einen „Judenstern“ an ihrer Kleidung tragen. Am 12. September 1942 wurden Albert und Marie Schöndorff verhaftet: Den Transport vom „Judendurchgangslager“ Westerbork in das Vernichtungslager Auschwitz überlebten sie nicht.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

AM ABEND – ÖFFENTLICHE FÜHRUNG DURCH DIE NEUE SONDERAUSSTELLUNG „MOLARI IM HEINEFELD“

In dieser Ausstellung wird der Frage nachgegangen, wer die dargestellten Menschen waren: Wen malte Pankok? Was wurde aus der dargestellten Person? Überlebte sie? Oder wurde sie zwischen 1933 und 1945 Opfer des Völkermords?
Also weder der bekannte Künstler, den die Sinti in ihrer Sprache liebevoll „Molari“ (Maler) nannten, noch seine Bilder stehen im Mittelpunkt; viel eher sind es die Biografien und familiären Zusammenhänge der Menschen, denen Pankok ein künstlerisches Denkmal gesetzt hat. Die Düsseldorfer Sinti der Dreißigerjahre waren keine anonyme Gruppe. Es waren Individuen.

Dienstag, 17. Januar um 17:30 Uhr

Keine Anmeldung nötig. Die Teilnahme ist kostenlos.