„Das Wort ergreifen,   
heisst immer auch handeln.“
Siegfried Lenz

Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Lutz Brasch

Gumbertstraße 91

Am 3. März 1926 wurde Ludwig (Lutz) Brasch in Düsseldorf geboren. Seinen Eltern Hedwig und Salomon Felix Brasch gehörte das Mode- und Manufakturwarengeschäft Gebrüder Bluhm im Haus Gumbertstraße 167 in (Düsseldorf-)Eller. Das Geschäft hatte der Großvater müttlerlicherseits, Louis Bluhm, 1910 mit seinem Bruder Isidor gegründet. Sie verkauften Stoffe, Kleidung, Handtücher, Wäsche und Kurzwaren aller Art.
Seine Eltern hatten 1920 geheiratet und sein Vater war als Prokurist in die Firma eingetreten. Als Lutz drei Jahre alt war, starb seine Großmutter Martha Bluhm in Düsseldorf.

Lutz Brasch besuchte zunächst die katholische Volksschule auf der Bernburger Straße, 1935 musste er auf die in der Düsseldorfer Innenstadt eröffnete Jüdische Volksschule wechseln. Wohnung und Geschäft der Familie Brasch waren bereits 1933 von der Gumbertstraße 167 ins Haus Gumbertstraße 91 verlegt worden.
1938 feierte Lutz mit anderen Schülerinnen und Schülern der jüdischen Schule seine Barmitzwa. Ein Gruppenfoto, was an diesem Tag gemacht wurde, ist erhalten geblieben und befindet sich heute in der Sammlung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf.

In der Pogromnacht vom 10. November 1938 schlugen SA-Männer die Schaufensterscheiben des Geschäftes ein, zerstörten die Ladeneinrichtung und warfen die Waren auf die Straße. Dann drangen sie in die Wohnung ein, wo der 12-jährige Lutz mit hohem Fieber lag, und schlugen dort alles kurz und klein. Danach war die berufliche Existenz der Familie vollkommen zerstört.

Am 15. April 1939 musste Lutz mit seinen Eltern ins „Judenhaus“ in der Grimmstraße 36 umziehen. Dort besuchten sie einige Tage im Oktober 1939 seine Tante Johanna „Anni“ Ebstein mit ihren beiden Kindern Bernhard und Martha. Sie standen kurz vor ihrer Emigration in die USA. Ob auch die Familie Brasch eine Ausreise aus Deutschland vorbereitet hat, kann vermutet werden. Sie gelang jedoch nicht rechtzeitig.
Am 10. November 1941 wurde Lutz Brasch mit seinen Eltern in das Ghetto von Minsk deportiert. Sie haben nicht überlebt.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

AM ABEND – ÖFFENTLICHE FÜHRUNG DURCH DIE NEUE SONDERAUSSTELLUNG „MOLARI IM HEINEFELD“

In dieser Ausstellung wird der Frage nachgegangen, wer die dargestellten Menschen waren: Wen malte Pankok? Was wurde aus der dargestellten Person? Überlebte sie? Oder wurde sie zwischen 1933 und 1945 Opfer des Völkermords?
Also weder der bekannte Künstler, den die Sinti in ihrer Sprache liebevoll „Molari“ (Maler) nannten, noch seine Bilder stehen im Mittelpunkt; viel eher sind es die Biografien und familiären Zusammenhänge der Menschen, denen Pankok ein künstlerisches Denkmal gesetzt hat. Die Düsseldorfer Sinti der Dreißigerjahre waren keine anonyme Gruppe. Es waren Individuen.

Dienstag, 17. Januar um 17:30 Uhr

Keine Anmeldung nötig. Die Teilnahme ist kostenlos.