“Wir müssen für die
                   Freiheit planen
und nicht für die          
Sicherheit.“ Karl Popper

Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Ludwig Heilbronner

Hermannstraße 5

Ludwig Heilbronner kam am 20. August 1874 in Memmingen als Sohn von Emanuel und Betty Heilbronner, geborene Pressburger, zur Welt. Er hatte noch eine jüngere Schwester, Ida Heilbronner, die 1878 zur Welt kam. Sein Vater arbeitete als Viehhändler in Memmingen. Seine Mutter Betty blieb auch nach seinem Tod im Jahr 1912 zusammen mit Ida in Memmingen wohnen. Ludwig Heilbronner dagegen verließ seine Geburtsstadt. In Düsseldorf betrieb er zunächst in der Gartenstraße 135 und später im Haus Grafenberger Allee 157 eine Generalvertretung für Käse der Firma Champignon.

Am 12. August 1909 heiratete er in Speyer Emma Scharff. Sie war dort am 27. Juli 1884 als Tochter von Lazarus und Caroline (Lina) Scharff, geborene Joseph, zur Welt gekommen. Sein Schwiegervater betrieb in Speyer eine Kolonialwarengroßhandlung.

Ludwig und Emma Heilbronner bezogen eine gemeinsame Wohnung in Düsseldorf und am 9. Dezember 1910 wurde Tochter Lotte geboren. Sie starb 1922 und liegt auf dem alten jüdischen Friedhof in Düsseldorf begraben. Am 9. März 1924 kam dann Tochter Liesl zur Welt. Die Familie wohnte in der Grafenberger Allee 157 und zog am 4. Juli 1938 in die Hermannstraße 5. Im Hausbuch wurde vermerkt, dass Emmas ältere Schwester Frieda Beissinger zusammen mit ihrem Vater Lazarus Scharff einige Tage mit in die Wohnung zog. Frieda Beissinger hatte sich zwei Jahre nach ihrer Hochzeit mit Isidor Beissinger scheiden lassen und war zurück in den elterlichen Haushalt gezogen. Lina Scharff am 24. Mai 1938 in Speyer verstorben. Vom 22. November bis zum 29. November 1938 und noch einmal vom 7. September bis zum 23. November 1939 wohnten die beiden bei Ludwig und Emma Heilbronner. Der erste Aufenthalt hing möglicherweise mit der Pogromnacht 1938 zusammen. Allerdings fanden die beiden nur eine notdürftig wiederhergestellte Wohnung vor.

Auch die Heilbronners waren in der Pogromnacht überfallen worden. In dieser Zeit fuhr die Tochter Liesl Heilbronner jeden Tag mit den Zug nach Köln, um dort das jüdische Gymnasium Jawne zu besuchen. Schließlich gelang es die 15-Jährige mit einem Kindertransport am 24. August 1939 nach England zu schicken.

Vergeblich versuchten Ludwig und Emma Heilbronner auch die eigene Auswanderung in die Wege zu leiten. Mit Liesl bleiben sie im regen Briefwechsel. Am 22. November 1939 schrieben sie: „Der l. Opa & l. Tante werden voraussichtlich Freitag nach Hause reisen & könnt Ihr Euch vorstellen, was für ´ne Lücke das für uns sein wird, dann wird uns das Haus erst richtig leer vorkommen!!“ Ein Jahr später erfuhren die zwei mit Schrecken, dass Lazarus Scharff und Frieda Beissinger am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert worden waren. Der 86-Jährige war der älteste Speyerer Bürger des Transports. Er starb am 10. November 1940 im Lager in Südfrankreich.

Frieda Beissinger blieb im Lager Gurs bis August 1942. Dort erhielt sie Nachricht, dass Ludwig und Emma Heilbronner am 10. November 1941 vom Düsseldorfer Güterbahnhof Derendorf in das Ghetto von Minsk deportiert worden waren. Sie schrieb am 2. August 1942 aus Gurs, Baracke 23 an Liesl Heilbronner: „Übers Rote Kreuz versuchte auch ich von Emma & Ludwig zu hören. Ich bekam vor etwa 14 Tagen abschlägigen Bescheid von Genf. Jetzt weiß ich keinen Weg mehr, der zu einem Ziele führen könnte. Und lang genug wäre es wirklich, um endlich etwas von ihnen hören zu wollen. Betty ist allein, in den Jahren ist das doch auch schlimm.“ Wenige Tage nach dem Schreiben dieses Briefes wurde Frieda Beissinger über das Transitlager Drancy bei Paris am 16. August 1942 ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet. Die 92-jährige Betty Heilbronner, über die sie im Brief berichtet, war, was Frieda Beissinger noch nicht wusste, am 30. Juli 1942 aus Memmingen ins Ghetto Theresienstadt deportiert worden. Sie starb im Ghetto am 2. April 1943.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

Allen jüdischen Menschen wünschen wir von Herzen schöne Feiertage und einen guten Übergang in das neue Jahr 5783. Shana tova u‘metuka!

Unser Bild zeigt die Synagoge an der Kasernenstraße, die zwei Tage vor Erev Rosh haShana 5665 (6. September 1904) eröffnet wurde. Bis zur Zerstörung durch die Nationalsozialisten im November 1938 konnten die jüdischen Familien Düsseldorfs in dieser Synagoge ihre Feste und Gottesdienste begehen.