„Ihr tragt keine Schuld     
für das was passiert ist,          
      aber ihr macht euch schuldig
wenn es euch nicht interessiert“  
Esther Bejarano

Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Leo Wolf Lichtigfeld

Cecilienallee 2

Dieser Stolperstein ist der einzige in Düsseldorf, der vor dem ehemaligen Arbeitsort und nicht der Wohnadresse verlegt wurde.

Leo Wolf Lichtigfeld wurde am 20. Juni 1889 als Sohn des Händlers Josua Lichtigfeld und dessen Frau Klara, geborene Weissberg, im ostgalizischen Bursztyn im Kreis Lemberg geboren. Er hatte fünf Brüder: Jakob Elia, Simon Paul, Emil Isaak, Lorenz und Adolf. Alle wurden wie er in Ostgalizien geboren, nur sein jüngster Bruder Adolf kam 1904 in Düsseldorf zur Welt, wohin die gesamte Familie ausgewandert war. Wie sein Bruder Isaak Emil studierte Leo Jura und schloss sein Studium mit der Promotion ab. Beide Brüder nahmen als Kriegsfreiwillige an den Kämpfen des Ersten Weltkriegs teil. Am 25. Februar 1917 wurde er zum Offiziersstellvertreter ernannt, und am 30. März 1917 wurde ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen.

Leo Lichtigfeld kehrte nach Düsseldorf zurück und war seit 1921 als Rechtsanwalt beim Amts- und Landgericht Düsseldorf zugelassen. Im darauffolgenden Jahr, 1922, ließ sich auch sein Bruder als Rechtsanwalt beim Landgericht Düsseldorf nieder – Leo als „Lichtigfeld I“ und sein Bruder als „Lichtigfeld II“. Die Rechtsanwaltbüros führte Leo Lichtigfeld in der Oststraße 115/117.

Leo Wolf Lichtigfeld heiratete am 6. September 1931 Sala Weissberg und wohnte mit ihr in der Königsallee 19. 1924 wurde Leo Lichtigfeld in den Vorstand der Synagogengemeinde Düsseldorf gewählt. Obwohl Leo Lichtigfeld eigentlich bis zum 30. November 1938 als Rechtsanwalt beim Amts- und Landgericht Düsseldorf zugelassen war, musste er seine Kanzlei 1937 aufgeben. Sie wurde 1937 vom „arischen“ Rechtsanwalt Dr. Fritz Schmitz übernommen. Im gleichen Jahr zog das Ehepaar Lichtigfeld in die Leopoldstraße 48. Dieses Haus gehörte seiner Mutter Klara Lichtigfeld. In der Pogromnacht 1938 wurden sie in der Wohnung überfallen und Wertsachen in der Wohnung zerstört oder entwendet. Am 25. November 1938 wurde Leo Lichtigfeld als „jüdischer Konsulent“ zugelassen. Er durfte nur für jüdische Firmen und Personen als Vermögens- und Konkursverwalter sowie als Rechtsanwalt arbeiten. Seit März 1939 wohnte er mit seiner Frau in der Prinz-Georg-Straße 114, und zuletzt lebte das Ehepaar in der Wagnerstraße 7.

Leo Lichtigfeld wurde am 27. Oktober 1941 zusammen mit seiner Frau Sala von Düsseldorf in das Ghetto von Łódź deportiert. Dort musste das Ehepaar im Zimmer 6 der Düsseldorfer Kollektivunterkunft Fischstraße 15 leben. Am 4. und 7. Dezember 1941 konnte Leo Lichtigfeld zwei Postkarten aus dem Ghetto an Bekannte in Düsseldorf schicken. Darin bat er um die Nachsendung von Post und um die Überweisung von 20 RM. Beide Postkarten kamen bei ihren Adressaten an. Als Absender war auf der Postkarte „Fischstr. 15/6“ durchgestrichen und „Alexanderhofstraße 46/21“ angegeben. Im Ghetto konnte Leo Lichtigfeld durch den Nachweis seiner Verdienste im Ersten Weltkrieg für sich und seine Frau die Zurückstellung vom IV. „Aussiedlungstransport“ am 7. Mai 1942 erreichen. Nach der Auflösung der Kollektivunterkünfte Mitte Mai 1942 zogen sie am 19. Mai 1942 in die Wohnung 13 in der Sperlinggasse 12. Leo Lichtigfeld starb an einer Lungenentzündung am 29. Juli 1942 im Ghetto von Łódź.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

PÄDAGOGISCHES ANGEBOT ZUR AUSSTELLUNG
Workshop „Ich mache mir ein Bild von dir“
Drei Werke Otto Pankoks und drei Lebensgeschichten junger Düsseldorfer Sinti:zze stehen im Mittelpunkt des Workshops. Anhand der Porträts von Ehra, Raklo und Gaisa nähern sich die Teilnehmer:innen dieser individuellen Darstellungsform an, fertigen eigene Skizzen und erproben verschiedene Materialien. Was bedeutet es, sich ein Bild von jemandem zu machen?
Die Spurensuche in der Sonderausstellung führt die Teilnehmer:innen zu den Lebensgeschichten der Sinti:zze vom Heinefeld. Wen zeichnete Otto Pankok? Wie erlebten die jungen Menschen die Verfolgung durch die Nationalsozialisten? Und wie trat man ihnen und anderen Sinti:zze nach Ende des Zweiten Weltkriegs gegenüber?
Der Workshop umfasst 2,5 Stunden und richtet sich an Jugendliche ab der 9. Klasse. Bitte beachten Sie, dass die Gruppen eine maximale Anzahl von 25 Schüler:innen nicht überschreiten sollten.
Der Eintritt in die Mahn- und Gedenkstätte sowie die Teilnahme am Workshop ist für Sie und Ihre Schüler:innen kostenfrei. Der Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte freut sich über eine Spende!