„Das Wort ergreifen,   
heisst immer auch handeln.“
Siegfried Lenz

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Hans Heidenheim

Friedingstraße 4

Hans Heidenheim wurde am 10. April 1887 in Chemnitz geboren. Sein Vater Gustav Heidenheim (1850-1899) war der Gründer und Inhaber der Strumpf- und Handschuh Fabrik Heidenheim und Oppenheim in Chemnitz. Hans hatte noch sechs Geschwister. Seine Brüder Karl und Walter Heidenheim starben als Soldaten im Ersten Weltkrieg. Auch Hans Heidenheim kämpfte als Soldat. Im Jahr vor Beginn des Krieges wurde sein Sohn Gustav in Düsseldorf geboren. Nach dem Krieg heiratete Hans Heidenheim Anna Maria Bromme (1896-1978). Mit ihr hatte er weitere drei Kinder: Hans Heinz (1922-2007), Walter (geboren am 19. April 1925) und Till (geboren 1932). Die kleine Rose Marie lebte 1923 nur einen Tag. Hans Heidenheim arbeitete sehr erfolgreich in der Filmbranche. 1927 war er zur Ufa nach Babelsberg gegangen und sich als Verkaufsleiter einen Namen gemacht. 1933 erhielt er wegen seiner nichtarischen Herkunft die Kündigung.

In Düsseldorf wohnte die Familie Heidenheim zunächst Kaiser Wilhelm-Ring 30. In den 1940er Jahren zogen sie in die Friedingstraße 4 nach Gerresheim. Für die Nationalsozialisten galt Hans Heidenheim im Sinne der Nürnberger Gesetze von 1935 als „Jude“ und seine Kinder als „Halbjuden“ bzw. “Mischlinge ersten Grades”. Ab November 1941 musste Hans Heidenheim Zwangsarbeit für die Stadt Düsseldorf leisten. Auf seiner Anmeldekarte wurde als Arbeitsstelle Südfriedhof beziehungsweise Städtische Baumschule notiert. Als Hans Heidenheim 1944 die Aufforderung zur Deportation erhielt, überredeten ihn seine Frau und Sohn Hans Heinz, der Aufforderung nicht Folge zu leisten. Er tauchte unter und wurde einige Zeit vom Franziskanerpater Paulinus in einem Seitenhaus des Franziskanerklosters auf der Oststraße versteckt. Als Ostflüchtlinge ins Kloster einge­wiesen werden sollten, war Hans Heidenheim dort nicht mehr sicher und sein Sohn Hans Heinz holte ihn daraufhin ab. In der gleichen Nacht wurde das Gebäude, in dem er sich versteckt hatte, durch einen Bombentreffer zerstört. Nun versteckte sich Hans Heidenheim in der eigenen Wohnung in Gerresheim in einer hinter einem großen Schrank versteckten Wandnische. Auch sein Sohn Hans Heinz musste sich später dort verstecken. Seine „arische“ Frau musste regelmäßig zur Gestapo. Sie versicherte dort glaubhaft, dass sie nicht wisse, wo ihr Mann und die Söhne sind. Alle drei überlebten die NS-Zeit.

Während die in Düsseldorf verbliebenen Mitglieder der Familie ins Versteck gingen, versuchte der Sohn Walter Heidenheim in die Schweiz zu flüchten. Dabei wurde er am 17. Februar 1944 noch auf der deutschen Seite der Grenze in Feldkirch, Voralberg, verhaftet. Er kam in das Gefängnis in Feldkirch. Von dort wurde er am 5. Juni 1944 in das Konzentrationslager Buchenwald eingewiesen. Walter Heidenheim kam in das Außenkommando Ohrdruf, welches zum KZ Buchenwald gehörte. In Ohrdruf, etwa 13 Kilometer südlich von Gotha gelegen, wurden die Häftlinge für den Bau unterirdischer Tunnel- und Bunkeranlagen eingesetzt. Am 30. Januar 1945 wurden 1.000 Zwangsarbeiter aus Ohrdruf ins das Lager Bergen-Belsen überführt, wobei viele von ihnen starben. Am 23. März 1945 wurde der Tod von Walter Heidenheim im Lager Bergen-Belsen vermerkt. Nach dem Krieg erhielt Hans Heidenheim von den Alliierten 1945 die Lizenz, wieder ein Kino zu betreiben. Er wurde Geschäftsführer des Europapalastes in Düsseldorf. Doch die Strapazen aus der NS-Zeit hatten ihren Tribut gezollt. 1949 starb Hans Heidenheim in Düsseldorf.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

AM ABEND – ÖFFENTLICHE FÜHRUNG DURCH DIE NEUE SONDERAUSSTELLUNG „MOLARI IM HEINEFELD“

In dieser Ausstellung wird der Frage nachgegangen, wer die dargestellten Menschen waren: Wen malte Pankok? Was wurde aus der dargestellten Person? Überlebte sie? Oder wurde sie zwischen 1933 und 1945 Opfer des Völkermords?
Also weder der bekannte Künstler, den die Sinti in ihrer Sprache liebevoll „Molari“ (Maler) nannten, noch seine Bilder stehen im Mittelpunkt; viel eher sind es die Biografien und familiären Zusammenhänge der Menschen, denen Pankok ein künstlerisches Denkmal gesetzt hat. Die Düsseldorfer Sinti der Dreißigerjahre waren keine anonyme Gruppe. Es waren Individuen.

Dienstag, 17. Januar um 17:30 Uhr

Keine Anmeldung nötig. Die Teilnahme ist kostenlos.