“Wir müssen für die
                   Freiheit planen
und nicht für die          
Sicherheit.“ Karl Popper

Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Hanna Sollinger, geborene Rosenheim

Cranachstraße 6

Hanna Rosenheim wurde am 23. November 1892 in Lüdenhausen, im Kreis Lippe als Tochter des Zigarrenfabrikanten Rosenheim und dessen Frau Emma geboren. Sie hatte noch eine ältere Schwester, Else (geboren 1891).
Am 10. Oktober 1917 heiratete Hanna Rosenheim den Kaufmann Paul Sollinger. Ihr Mann war am 15. Februar 1877 in Wenzen, einem damaligen Dorf und heutigen nordwestlichen Ortsteil der Stadt Einbeck in Niedersachsen geboren worden. Seinen Eltern Isaak und Emilie Sollinger, geborene Rothenberg, gehörte in Einbeck ein Manufakturwarengeschäft. Paul hatte acht Geschwister. Nach dem Abitur hatte er eine kaufmännische Lehre absolviert und spezialisierte sich später auf den Vertrieb von Spitzen, Stickereien und konfektionierten Modewaren.

Das Paar ließ sich zunächst in Hannover nieder, wo am 25. Oktober 1918 ihr Sohn Hans Willi Sollinger geboren wurde, und siedelten dann 1919 nach Berlin über. Am 10. Januar 1920 kam der Sohn Kurt in Berlin-Steglitz zur Welt.
1926 zog die Familie Sollinger nach Düsseldorf. Dort wohnte sie in verschiedenen Wohnungen, zunächst in einer 10-Zimmer-Wohnung in der Elisabethstraße 44. 1932 zogen sie aus Rücksichtnahme auf ihre Kinder in eine 6-Zimmer-Wohnung mit Garten in die Cranachstraße 6.

Die Familie hatte – wie sich der Sohn Kurt (später: Amnon Alon) erinnert – jüdische und nichtjüdische Freunde. An den Wochenenden unternahm Paul Sollinger mit seiner Familie gerne Ausflüge – innerhalb der Woche war er viel unterwegs und kam oft erst sehr spät nach Hause. „Mein Vater hatte von der Firma ein Auto mit Chauffeur, mit dem wir sonntags in den Wald fuhren. Der Chauffeur hat mit uns gespielt, und die Eltern saßen dabei und haben Kaffee getrunken an schönen Tagen“, erinnerte sich der Sohn Kurt.

1933 schickte ihr Mann seinen älteren Sohn Hans zu seinem Bruder nach Holland, der dort eine Weberei besaß. Auch für seinen jüngeren Sohn Kurt hörte er sich intensiv nach Ausbildungs- und Emigrationsmöglichkeiten um. Als sich 1936 die Möglichkeit bot, ihn mit der Jugend-Aliija nach Palästina reisen zu lassen, willigte der eigentlich nicht zionistisch eingestellte Paul Sollinger ein. Sein Sohn Kurt erinnerte sich an die diesbezüglichen Gespräche mit den Eltern: „Als ich das meinen Eltern sagte, fanden sie das natürlich nicht sehr angebracht und nicht passend für mich, aber sie haben sich mehr oder weniger damit abgegeben, dass es für mich keinen anderen Ausweg gibt und sie glaubten eben, dass das bloß für eine vorübergehende Zeit ist und, dass ich nach dem Unglück, das uns nun befallen hatte, wieder nach Deutschland zurückkomme, und alles wird seinen alten Weg gehen.“

Paul und Hanna Sollinger gelang die eigene Emigration nicht. Mit ihren Söhnen blieben sie in regelmäßigem Briefkontakt. Ihre Wohnung mussten sie Ende 1938/Anfang 1939 verlassen und in ein Zimmer in der Goethestraße 18 ziehen. Das Ehepaar Sollinger wurde am 27. Oktober 1941 von Düsseldorf in das Ghetto von Łódź deportiert. Kurz zuvor, am 21. Oktober 1941, schickten sie mit einem Rot-Kreuz-Brief ein letztes Lebenszeichen an ihren Sohn Kurt. Darin schrieben sie, dass sie „vor der Abreise in den Osten“ stünden.

Im Ghetto von Łódź mussten sie mit anderen Deportierten in das Zimmer 11 der Kollektivunterkunft Fischstraße 15 einziehen. Hanna Sollinger wurde zusammen mit ihrem Mann am 6. Mai 1942 Ghetto in das Vernichtungslager Chełmno gebracht und am nächsten Tag ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

AM ABEND – ÖFFENTLICHE FÜHRUNG DURCH DIE NEUE SONDERAUSSTELLUNG „MOLARI IM HEINEFELD“

In dieser Ausstellung wird der Frage nachgegangen, wer die dargestellten Menschen waren: Wen malte Pankok? Was wurde aus der dargestellten Person? Überlebte sie? Oder wurde sie zwischen 1933 und 1945 Opfer des Völkermords?
Also weder der bekannte Künstler, den die Sinti in ihrer Sprache liebevoll „Molari“ (Maler) nannten, noch seine Bilder stehen im Mittelpunkt; viel eher sind es die Biografien und familiären Zusammenhänge der Menschen, denen Pankok ein künstlerisches Denkmal gesetzt hat. Die Düsseldorfer Sinti der Dreißigerjahre waren keine anonyme Gruppe. Es waren Individuen.

Dienstag, 17. Januar um 17:30 Uhr

Keine Anmeldung nötig. Die Teilnahme ist kostenlos.