„Courage ist der wichtigste        
        aller Werte, denn ohne ihn
kannst Du auch alle anderen      
      nicht konsequent leben.“ Maya Angelou

Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Dr. Reinhard Semrau

Graf-Recke-Straße 53

Reinhard Semrau kam am 23. Februar 1899 in Breslau als Sohn des Professors Maximilian Semrau und seiner Frau Mathilde (geborene Sachs, geboren am 8. März 1871 in Breslau) zur Welt. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Soldat und war später Leutnant der Reserve. Nach dem Krieg war er als Prokurist bei den Vereinigten Stahlwerken zunächst in Berlin, später in Düsseldorf beschäftigt.

Verheiratet war er seit April 1933 mit Lieselotte (geborene Müller, geboren am 17. Januar 1913 in Berlin). In der Graf-Recke-Straße 53 lebte das Paar gemeinsam mit Semraus Mutter, die zwar getauft war, aber nach Inkrafttreten der „Nürnberger Rassegesetze“ 1935 als Jüdin galt.
1937 zog Reinhard Semrau wieder nach Berlin. Er kehrte 1939 nach Düsseldorf zurück– allerdings ohne seine Ehefrau. Die Ehe war 1937 rechtskräftig geschieden worden. Zunächst wohnte er in der Steinstraße 46. Ab 1940 wohnte er wieder bei seiner Mutter in die Graf-Recke-Straße 53.

Als während eines Bombenangriffs 1943 die Wohnräume seines Arbeitskollegen Dr. Heinrich Rahn in der Deichstraße total zerstört wurden, bot er diesem mit seiner Frau Mignon und der Tochter Carmen Obdach in seinem Heim an.
Familie Rahn wurde Zeuge des massiven Drucks der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) auf Mathilde Semrau und ihren Sohn. Mathilde Semrau sollte sich am 21. Juli 1942 zur Deportation ins Ghetto Theresienstadt am Düsseldorfer Schlachthof einfinden. Dr. Semrau versuchte alles, um die Deportation seiner Mutter abzuwenden. Ein Kollege der Vereinigten Stahlwerke setzte sich bei Adolf Eichmann persönlich in Berlin für sie ein. Tatsächlich wurde sie am 19. Juli 1942 kurzfristig von dem Transport zurückgestellt, musste allerdings in ein jüdisches Altersheim nach Berlin ziehen. Sie überlebte die nationalsozialistische Herrschaft. Ihr Sohn Reinhard beging, zermürbt von den fortgesetzten Schikanen der Düsseldorfer Gestapo, am 3. Mai 1943 Suizid.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

AM ABEND – ÖFFENTLICHE FÜHRUNG DURCH DIE NEUE SONDERAUSSTELLUNG „MOLARI IM HEINEFELD“

In dieser Ausstellung wird der Frage nachgegangen, wer die dargestellten Menschen waren: Wen malte Pankok? Was wurde aus der dargestellten Person? Überlebte sie? Oder wurde sie zwischen 1933 und 1945 Opfer des Völkermords?
Also weder der bekannte Künstler, den die Sinti in ihrer Sprache liebevoll „Molari“ (Maler) nannten, noch seine Bilder stehen im Mittelpunkt; viel eher sind es die Biografien und familiären Zusammenhänge der Menschen, denen Pankok ein künstlerisches Denkmal gesetzt hat. Die Düsseldorfer Sinti der Dreißigerjahre waren keine anonyme Gruppe. Es waren Individuen.

Dienstag, 17. Januar um 17:30 Uhr

Keine Anmeldung nötig. Die Teilnahme ist kostenlos.