„Ihr tragt keine Schuld     
für das was passiert ist,          
      aber ihr macht euch schuldig
wenn es euch nicht interessiert“  
Esther Bejarano

Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Bertha Gumpert, geborene Tannenbaum

Harleßstraße 8

Am 26. April 1863 kam in Fulda Bertha Gumpert, geborene Tannenbaum, zur Welt. Ihr Vater Salomon Tannenbaum (1830-1899) war dort Rabbiner. Sie hatte noch zwei jüngere Geschwister Hugo (geboren 1868) und Rosa (geboren 1869).

Am 18. August 1891 heiratete Bertha in Mannheim den Kaufmann Sally Gumpert. Er war am 4. Juli 1863 in (Bochum-)Werne als Sohn der Eheleute Philipp und Rosalia Gumpert, geborene Heimann, zur Welt gekommen. In Düsseldorf gründete ihr Mann die Immobilien- und Maklerfirma „S. Gumpert“. Sie wohnten im eigenen Haus in der Harleßstraße 8 im Düsseldorfer Zooviertel. Am 29. April 1892 wurden die Zwillinge Paul und Rosa in Düsseldorf geboren. Paul starb noch am 4. September desselben Jahres.
Ihre Tochter Rosa heiratete Jakob Sass aus Mülheim an der Ruhr und zog zu ihnen in die Harleßstraße 8. Am 17. November 1919 kam Bertha Gumperts erstes Enkelkind, Ruth, zur Welt. Das zweite Enkelkind, Margot, wurde am 21. März 1921 geboren, lebte jedoch nur wenige Wochen. Am 30. März 1928 starb Bertas Ehemann Sally Gumpert.

1937 verließ Enkelin Ruth Düsseldorf, um in der Schweiz eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester zu absolvieren. Von dort konnte sie mit ihrem Ehemann Erich Preuss ins sichere Palästina einreisen. Berthas Tochter Rosa flüchtete im Juli 1939 illegal nach Holland, wo ihr Ehemann seit der Pogromnacht im November 1938 auf sie wartete.

Einen Monat zuvor waren die beiden unverheirateten Geschwister von Sally Gumpert, Louis und Cäcilie, aus Werne zu Bertha Gumpert in die Harleßstraße 8 gezogen. Der 66-jährige Louis Gumpert wurde am 27. Oktober 1941 mit der ersten Düsseldorfer Deportation nach Litzmannstadt/Łódź deportiert. Dort verstarb er am 12. Juli 1942.

Bertha und Cäcilie Gumpert mussten in das „Judenhaus“ Steinstraße 60 umziehen. Der von ihrer Enkelin überlieferte Wunsch Bertha Gumperts, an der Seite ihres Mannes auf dem jüdischen Friedhof in Düsseldorf zur letzten Ruhe gebettet zu werden, blieb unerfüllt. Am 21. Juli 1942 wurde die 79-jährige, zusammen mit ihrer Schwägerin Cäcilie, ins Ghetto Theresienstadt deportiert und am 21. September 1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet.

Ihre Tochter Rosa und deren Ehemann Jakob Sass wurden am 26. Januar 1943 im niederländischen Hilversum festgenommen und ins Konzentrationslager Vught gebracht. Von dort kamen sie am 9. März 1943 ins „Judendurchgangslager“ Westerbork. Am 16. November 1943 ging ihr Transport nach Auschwitz-Birkenau. Dort wurden sie vermutlich drei Tage später ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

PÄDAGOGISCHES ANGEBOT ZUR AUSSTELLUNG
Workshop „Ich mache mir ein Bild von dir“
Drei Werke Otto Pankoks und drei Lebensgeschichten junger Düsseldorfer Sinti:zze stehen im Mittelpunkt des Workshops. Anhand der Porträts von Ehra, Raklo und Gaisa nähern sich die Teilnehmer:innen dieser individuellen Darstellungsform an, fertigen eigene Skizzen und erproben verschiedene Materialien. Was bedeutet es, sich ein Bild von jemandem zu machen?
Die Spurensuche in der Sonderausstellung führt die Teilnehmer:innen zu den Lebensgeschichten der Sinti:zze vom Heinefeld. Wen zeichnete Otto Pankok? Wie erlebten die jungen Menschen die Verfolgung durch die Nationalsozialisten? Und wie trat man ihnen und anderen Sinti:zze nach Ende des Zweiten Weltkriegs gegenüber?
Der Workshop umfasst 2,5 Stunden und richtet sich an Jugendliche ab der 9. Klasse. Bitte beachten Sie, dass die Gruppen eine maximale Anzahl von 25 Schüler:innen nicht überschreiten sollten.
Der Eintritt in die Mahn- und Gedenkstätte sowie die Teilnahme am Workshop ist für Sie und Ihre Schüler:innen kostenfrei. Der Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte freut sich über eine Spende!