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Stolpersteine in
Düsseldorf finden

Annemarie Herzfeld

Feldstraße 37

Im Haus Feldstraße 37 wohnte der Maler Albert Herzfeld mit seiner Frau Else und ihrer älteren Tochter Dr. Annemarie Herzfeld. Albert Herzfeld stammte aus einer angesehenen Fabrikantenfamilie. Er war am 19. August 1865 als Sohn des Ehepaars Leonhard und Lina Herzfeld, geborene Boas, in Düsseldorf zur Welt gekommen. Sein Vater Leonhard Herzfeld hatte zusammen mit seinen Brüdern Max und Gustav 1862 die 1844 in Neuss von seinem Vater Jonas Herzfeld gegründete Textilfabrik „J. Herzfeld und Söhne“ nach Düsseldorf verlegt.

Albert Herzfeld besuchte das Hohenzollern-Gymnasium in Düsseldorf (heute Görres-Gymnasium). Ab 1885 besuchte er die “Webeschule”, eine höhere Fachschule für Textilindustrie in Krefeld. Nach seiner Militärzeit arbeitete er zunächst im Textilgewerbe und entschied sich dann aber 1905 Maler zu werden. Er heiratete am 10. März 1902 in Berlin-Charlottenburg Else Volkmar. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Albert Herzfeld in der Rosenstraße 21. Seine Frau war als Tochter des Bankiers Franz Moritz Leopold Volkmar und dessen Frau Henriette, geborene Rosenthal, am 10. Juni 1882 in Berlin zur Welt gekommen. Sie hatte noch eine Schwester, Toni Helene Volkmar (1884-1935).
Albert und Else Herzfeld bekamen zwei Töchter: am 12. Januar 1903 wurde Annemarie geboren und am 2. Juni 1905 folgte Leonore. Im Ersten Weltkrieg meldete sich der 49jährige Familienvater Albert Herzfeld freiwillig an die Front. 1915 wurde er Leutnant, und später mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 veränderte auch das Leben der Familie Herzfeld. Albert Herzfeld beschrieb dies in seinem Tagebuch. Seine Eintragungen der Jahre 1935 bis 1939 sind erhalten geblieben. Er hielt im Tagebuch beispielsweise die Ereignisse der Pogromnacht 1938 fest oder führte aus, dass ihm die Nationalsozialisten ein formales Malverbot erteilt hatten.
Die jüngere Tochter Leonore war nach ihrer Heirat 1933 mit dem Diplom Ingenieur und Chemiker Dr. Walter Mannchen 1934 nach Dessau gezogen.

Das Leben seiner älteren Tochter Annemarie hatte jäh durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten den geplanten Weg verlassen. Sie hatte in Heidelberg und Bonn Jura studiert und promoviert. Sie befand sich gerade im Vorbereitungsdienst zur Gerichtsreferendarin als sie 1933 als „Nichtarier“ entlassen wurde. Von 1934 bis 1938 arbeitete sie dann als Sekretärin in Düsseldorf. Ihr Elternhaus in der Feldstraße 37 wurde um 1941 zu einem sogenannten Judenhaus.
Am 10. November 1941 wurde Dr. Annemarie Herzfeld in das Ghetto von Minsk deportiert. Albert Herzfeld und seine Frau Else wurden knapp ein halbes Jahr später, am 21. Juli 1942, in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Albert Herzfeld verstarb am 13. Februar 1943 dort im Ghetto im Alter von 78 Jahren. Seine Frau Else wurde aus dem Ghetto Theresienstadt am 15. Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und ermordet.

Autorin: Hildegard Jakobs, Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf

PÄDAGOGISCHES ANGEBOT ZUR AUSSTELLUNG
Workshop „Ich mache mir ein Bild von dir“
Drei Werke Otto Pankoks und drei Lebensgeschichten junger Düsseldorfer Sinti:zze stehen im Mittelpunkt des Workshops. Anhand der Porträts von Ehra, Raklo und Gaisa nähern sich die Teilnehmer:innen dieser individuellen Darstellungsform an, fertigen eigene Skizzen und erproben verschiedene Materialien. Was bedeutet es, sich ein Bild von jemandem zu machen?
Die Spurensuche in der Sonderausstellung führt die Teilnehmer:innen zu den Lebensgeschichten der Sinti:zze vom Heinefeld. Wen zeichnete Otto Pankok? Wie erlebten die jungen Menschen die Verfolgung durch die Nationalsozialisten? Und wie trat man ihnen und anderen Sinti:zze nach Ende des Zweiten Weltkriegs gegenüber?
Der Workshop umfasst 2,5 Stunden und richtet sich an Jugendliche ab der 9. Klasse. Bitte beachten Sie, dass die Gruppen eine maximale Anzahl von 25 Schüler:innen nicht überschreiten sollten.
Der Eintritt in die Mahn- und Gedenkstätte sowie die Teilnahme am Workshop ist für Sie und Ihre Schüler:innen kostenfrei. Der Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte freut sich über eine Spende!