„Wer die Vergangenheit
                nicht kennt, kann die
Gegenwart nicht verstehen
und die Zukunft         
            nicht gestalten.“Helmut Kohl ehemaliger Bundeskanzler

Verfolgung der Düsseldorfer Sinti:zze und Rom:nja

Ein Forschungsprojekt

Bislang beschreibt der Forschungsstand vor allem eine kollektive Verfolgungsgeschichte der Düsseldorfer Sinti:zze und Rom:nja, während biografische Perspektiven auf einzelne Verfolgte bislang kaum im Fokus standen. Ziel dieses Projekts ist es daher, einen Überblick über die tatsächliche Größe der Verfolgtengruppe zu gewinnen, individuelle Verfolgungsgeschichten sichtbar zu machen sowie die Verfolgten und Ermordeten und deren Geschichte namentlich zu dokumentieren.

Eine erste Grundlage bildeten die personenbezogenen Quellen in der Sammlung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, darunter Zeitzeugeninterviews, Konvolute und historische Fotografien. Zur weiteren Erfassung trugen zudem die Bestände des Stadtarchivs Düsseldorf, des Landesarchivs NRW, Abteilung Rheinland, sowie der Arolsen Archives und vieler Standesämter maßgeblich bei.

Auf Basis der bisher erfassten Quellen konnte Jona Winstroth, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, bereits mehrere Dutzend während der NS-Zeit verfolgte Sinti:zze und Rom:nja identifizieren. In einzelnen Fällen ließ sich ihre Verfolgungsgeschichte detaillierter rekonstruieren; zu zehn Personen konnten bereits erste Biogramme erstellt werden.
Schon jetzt zeichnet sich ab, dass die bislang recherchierten Personen nur einen kleinen Ausschnitt der Verfolgtengruppe in Düsseldorf darstellen und weitere Forschungsarbeit erforderlich sein wird.

Maria Kreuz, geb. Diesenberger

* 06. April 1904 in Rossbrücken + unbekannt

Maria Kreuz, geborene Diesenberger, kam am 6. April 1904 im elsässischen Rossbrücken als Tochter von Joseph und Sophie Diesenberger, geborene Lagren, zur Welt.
Nach dem Ersten Weltkrieg lebte sie zusammen mit dem Korbmacher und Veteranen Hermann Hubert Kreuz. Am 31. Dezember 1928 kam in Zülpich ihr erstes Kind Heinrich zur Welt. Am 6. Dezember 1931 folgte die Tochter Anna. Zunächst lebten sie auf dem Heinefeld, wo sie Bekanntschaft mit dem Maler Otto Pankok machten. Im Januar 1934 wurde die Familie im Obdachlosenheim Ulmenstraße untergebracht. 1936 zog die Familie, inzwischen um die Kinder Walburga, Elfriede und Urban angewachsen, in das städtische Asyl in der Färberstraße.
Am 26. August 1937 erfolgte die Einweisung in das kommunale Lager Höherweg. Während der Internierung brachte Maria Kreuz 1937 ihre Tochter Elli und 1939 ihren Sohn Rudi zur Welt. 1939 verstarb ihre Mutter Sophie Diesenberger in Düsseldorf vermutlich im Lager Höher Weg.

Am 16. Mai 1940 wurde die Familie in das Umland von Siedlce im besetzten Polen deportiert. Im Sommer 1941 wurde sie in das Ghetto von Siedlce eingewiesen. Im Februar 1944 wurde das sogenannte „kleine Ghetto“ von Siedlce geräumt und die Familie kam in ein Arbeitslager bei Lublin. Im Sommer 1944 erfolgte die Verlegung in ein Lager bei Krakau. Als der Frontverlauf zwischen der Wehrmacht und der Roten Armee näher rückte, konnte die Familie fliehen. Nach Kriegsende kehrten sie mit den überlebenden Kindern nach Düsseldorf zurück. Sie lebten wieder in den Baracken am Höherweg und warteten dort auf die Rückkehr von Angehörigen und Freunden.

Friedel Meinhardt

* 26. Februar 1925 in Oberheckenbach + unbekannt

Friedel Meinhardt wurde am 26. Februar 1925 als ältester Sohn von Johann und Maria Diesenberger, geborene Meinhardt, geboren. Am 6. Juli 1926 kam seine Schwester Anna Meinhardt zur Welt. 1927 zog seine Familie nach Düsseldorf. Am 6. Februar 1928 wurde seine Schwester Christine Meinhardt geboren. Im Am 25. Januar 1930 bekamen seine Eltern ihr Kind Johanna. Am 25. Dezember 1932 wurde Friedel Meinhardt erster Bruder Johannes Meinhardt. Am 15. Januar 1935 kam seine Schwester Maria Meinhardt zur Welt.

Am 2. August 1937 wurde Familie Diesenberger in das kommunale Lager „Höher Weg“ eingewiesen. Am 5. Oktober verließ die Familie Düsseldorf in Richtung Remscheid und wurde dort im Lager „Gründerhammer“ interniert. Am 7. Juni 1942 wurde dort sein jüngster Bruder Heinz Meinhardt geboren.
Bei der Firma Emde in Remscheid-Lüttringhausen erlernte Friedel Meinhardt das Schmiedehandwerk. Trotz seiner Beschäftigung wurde Friedel zusammen mit seiner Familie am 2. März 1943 von der Kriminalpolizei Wuppertal in das Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau deportiert.

Am 17. April 1944 wurde Friedel Meinhardt in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 39945. Am 17. Oktober 1944 wurde er in das KZ Mittelbau-Dora verlegt. Am 2. Mai 1945 wurde er gemeinsam mit seinem Vater Johann Diesenberger aus einem Außenlager befreit. Er kehrte entkräftet und schwerkrank nach Düsseldorf zurück, wo er vergeblich die Rückkehr seiner Mutter und Geschwister erwartete. Sie waren alle in Auschwitz ermordet worden.

Karl Mettbach

* 16. Februar 1891 in St. Goar + Januar 1942 in Siedlce

Karl Mettbach wurde am 16. Februar 1891 als Sohn von Gottlieb Mettbach und Auguste Steinbach geboren. 1927 ließ er sich zusammen mit seiner Partnerin Viktoria Meinhardt in Düsseldorf-Oberbilk nieder. Sie hatten bereits vier Kinder. Ihre Familie vergrößerte sich weiter.Am 21. November 1932 heirateten Karl Mettbach und Viktoria Meinhardt in Düsseldorf. Ab Sommer 1935 lebten sie auf dem Heinefeld im Düsseldorfer Norden. Dort lernten sie den Maler Otto Pankok kennen, der mehrmals ihre Tochter Ehra Ida Meinhardt porträtierte.

Im Sommer 1937 wurde Karl Mettbach mit seiner Familie in das Lager Höherweg eingewiesen. Seine jüngste Tochter wurde dort am 3. Juni 1937 in Bau 4, Zimmer 11, von seiner Ehefrau Viktoria geboren. Nun hatten die beiden neun Kinder. Am frühen Morgen des 17. September 1939 wurden 27 Sinti darunter auch Karl Mettbach im Lager Höherweg verhaftet und zur sogenannten „Dienststelle für Zigeunerfragen“ im Polizeipräsidium Düsseldorf gebracht. Dort wurden ihnen endgültig ihre Wandergewerbescheine entzogen.

Am 16. Mai 1940 wurde Karl Mettbach zusammen mit seiner Familie in das Umland von Siedlce im besetzten Polen deportiert. Kurze Zeit nachdem die Familie in das Ghetto von Siedlce eingewiesen worden war, wurde dort seine Tochter Maria im Alter von 17 Jahren erschossen.
Im Januar 1942 starb Karl Mettbach im Ghetto Siedlce an Typhus. Seine Ehefrau Viktoria Mettbach überlebte die Tortur mehrerer Lager und kehrte nach Düsseldorf zurück. Acht der neun Kinder Karl und Viktoria Mettbachs überlebten.

Robert Reinhardt

* 26. März 1897 in Hundsbach, Elsass + 19. Juli 1940 im KZ Buchenwald

Robert Reinhardt wurde am 26. März 1897 als Sohn von Robert und Rosina Reinhardt geboren. Seit 1925 lebte er zusammen mit der 1905 in Karlsruhe-Rüppur geborenen Magdalena Hoffmann. Ihr erstes Kind Ketta Katharina Hoffmann kam am 26. März 1925 zur Welt. Am 4. Februar 1928 bekamen sie im ihre zweite Tochter Maria Hoffmann. Im Herbst des Jahres 1933 ließen sie sich in Düsseldorf nieder.

Am 24. Juli 1937 internierte die Kriminalpolizei Magdalena Hoffmann mit ihren Kindern Katharina, Maria und Feigeli vermutlich zusammen mit Robert Reinhardt im Lager Höherweg.
Laut der Haftliste des Polizeipräsidiums Düsseldorf war Robert Reinhardt vom 17. September 1939 bis zum 5. Oktober 1939 zur Verfügung des „Asozialen Kommissariats“ der Kripoleitstelle im Polizeigefängnis inhaftiert. Die Kriminalpolizei ordnete für Robert Reinhardt Schutzhaft an, weil er seinen „Arbeitsplatz gewechselt“ hatte. Er war der Zwangsarbeitsstelle, die er täglich vom Lager Höherweg aus aufsuchen musste, ferngeblieben.

Am 13. Oktober 1939 wurde Robert Reinhardt in das Konzentrationslager Buchenwald als sogenannter „Arbeitsscheuer“ eingewiesen. Im KZ erhielt er die Häftlingsnummer 8275. Ab dem 9. Juli 1940 musste Robert Reinhardt in der Kolonne Pelz des Arbeitskommandos Steinbruch in Buchenwald Zwangsarbeit verrichten. Den brutalen Einsatz überlebte er nur wenige Tage. Am 19. Juli 1940 verstarb Robert Reinhardt. Als angebliche Todesursache wurde „Herzschwäche“ angegeben.

Georg Jakob Bamberger

* 29. November 1902 in Fürstenhausen bei Völklingen + 27. August 1943 im KZ Auschwitz

Georg Jakob Bamberger wurde am 29. November als Sohn von Ludwig und Bertha Bamberger geboren. Seine Eltern ließen sich 1911 in Düsseldorf nieder Als junger Mann zog Georg Bamberger in die Bandelstraße 19 und arbeitete als Musiker.

Die nächsten Jahre wohnte er an unterschiedlichen Adressen in Düsseldorf, bis er im Frühjahr 1929 vermutlich aus wirtschaftlicher Not gezwungen war, in das Obdachlosenasyl Ulmenstraße zu ziehen. Zwei Jahre später verließ er dieses wieder. Am 18. Dezember 1931 heiratete er Johanna Meinhardt in Düsseldorf.

Am frühen Morgen des 12. August 1937 wurde Georg Jakob Bamberger in Düsseldorf verhaftet und im Polizeigefängnis vom Erkennungsdienst erfasst. Eine Woche zuvor war er bereits mit seiner Familie in das kommunale Lager am Höherweg eingewiesen worden. Im Lager kam 1939 seine Tochter Agnes Mignon und sein jüngstes Kind Anton am 12. Oktober 1941 zur Welt.

Im März 1943 wurde Georg Jakob Bamberger mit seiner Familie ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Am 13. März traf er im Lager ein und erhielt die Häftlingsnummer 2291. Am 6. Mai 1943 wurde sein jüngstes Kind Anton im Alter von nur zweieinhalb Jahren ermordet. Nur wenige Monate später, am 27. August 1943, wurde auch Georg Jakob Bamberger in Auschwitz ermordet. Ob seine Ehefrau Johanna Bamberger und die Tochter Agnes Mignon überlebten, ist unbekannt.

Georg Adam

* 02. Mai 1876 in Langenhagen bei Stettin + 01. September 1943 im KZ Auschwitz

Georg Adam wurde am 2. Mai 1876 geboren. Zusammen mit seiner Frau Apolda Adam geb. Böhmer ließ er sich zunächst in Frankfurt nieder, wo 1910 ihre Tochter Anna und 1911 ihre Tochter Antonia geboren wurde. 1912 kam in ihre Tochter Maria zur Welt. 1914 wurde ihr erster Sohn August in Gelsenkirchen geboren. Noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs ließen sie sich in Düsseldorf nieder. Hier kamen ihre beiden Töchter Anna und Katharina zur Welt.

Gegen Kriegsende verließen sie Düsseldorf wieder und zogen Richtung Trier. Unter ungeklärten Umständen verstarb dort Georg Adams Ehefrau Apolda am 19. November 1919. Fortan musste er auf sich allein gestellt für ihre sechs Kinder sorgen. 1926 kehrte er mit seinen Kindern nach Düsseldorf zurück.

Am 27. Februar 1936 wurde Georg Adam zwecks Kontrolle seines „Zigeunerausweises“ für einen Tag von der Polizei Düsseldorf verhaftet. Kurze Zeit später wurde er mit seiner Familie und den anderen Bewohner:innen des Heinefelds von dort vertrieben. Am 3. November 1937 wurde er in das kommunale Lager am Höherweg eingewiesen.

Im März 1943 wurde Georg Adam ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort am 13. März 1943 angekommen, erhielt er die Häftlingsnummer 2292. Weniger als ein halbes Jahr später, am 1. September 1943, wurde er im Alter von 67 Jahren in Auschwitz ermordet.

Bruno Mettbach

* 15. Januar 1915 in Gifhorn + 27. Januar 1968 in Leer

Bruno Mettbach wurde am 15. Januar 1915 als Sohn von Heinrich Mettbach und Luise Margarethe Laubinger geboren. Mit 15 Jahren gelangte er erstmals nach Düsseldorf und wohnte auf dem Stellplatz an der Schmiedestraße 70 in Oberbilk. Drei Jahre später zog er wieder ins norddeutsche Wesermünde. 1934 brachte seine Ehefrau Josefine Mettbach in Bremerhaven ihr erstes Kind zur Welt.

Zu welchem Zeitpunkt Bruno Mettbach und seine Familie nach Düsseldorf zurückkehrten, ist ungewiss. Der Verfolgung konnte er sich nicht entziehen und war bereits am 16. August 1937 im Lager Höherweg interniert. Seine Frau war mit ihrem Kind nach Remscheid umgezogen oder wurde dort im Lager Gründerhammer interniert. Dort brachte sie ihr zweites Kind zur Welt. 1939 bekamen sie in Remscheid ihr drittes Kind.

Am 3. März 1943 verhaftete die Kriminalpolizei Wuppertal Bruno Mettbach in Remscheid und überstellte ihn ins sogenannte Familienlager in Auschwitz-Birkenau. Bruno Mettbach erhielt die Häftlingsnummer Z-1674. Am 16. April 1944 wurde Bruno Mettbach in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt. Am Folgetag erhielt er dort die Häftlingsnummer 42590. Am 16. Mai 1944 teilte die Lager-SS Bruno Mettbach dem Transport „Martha“ zu. Ziel war das im April gegründete Außenlager Mühlhausen mit dem Tarnnamen „Martha“.

Bruno Mettbach überlebte und kehrte nach der Befreiung am 11. August 1945 nach Düsseldorf zurück. Der Verfolgungsweg seiner Frau Josefine Mettbach und ihrer Kinder ist unklar. Er starb im ostfriesischen Leer.

Edmund Lavontain

* 18. April 1909 in Delle, Frankreich + 29. September 1942 im KZ Dachau

Edmund Lavontain kam am 18. April 1909 als Sohn von Johann und Franziska Lavontain, geborene Winterstein zur Welt. Seit dem 19. Januar 1932 war er auf dem Heinefeld gemeldet. Hier lebte er zusammen mit seiner Partnerin Julia Wilhelmine Lavontain und ihren fünf Kindern am Meisenweg 6. Auf dem Heinefeld gelangte die Familie in Kontakt mit dem Maler Otto Pankok. Unter anderem porträtierte er ihre Tochter Gaisa.

Am 10. März 1938 wurde Edmund Lavontain durch die Kriminalpolizei Düsseldorf in das kommunale Lager am Höherweg eingewiesen. Seine Partnerin Julia Wilhelmine war bereits im September 1937 mit den gemeinsamen Kindern dort interniert worden. Am 18. September 1939 zogen sie gemeinsam nach Remscheid, wo sie im Lager Gründerhammer interniert wurden.

Zu einem unklaren Zeitpunkt wurde Edmund Lavontain in das Konzentrationslager Neuengamme eingewiesen. In Neuengamme trug er die Häftlingsnummer 5853. Für den 17. Juni 1942 ist der Zugang Edmund Lavontains in das KZ Dachau unter der Häftlingsnummer 30461 dokumentiert. Nur einen Monat später am 29. September 1942 wurde Edmund Lavontain in Dachau ermordet.

Im März 1943 wurde Partnerin Julia Wilhelmine Lavontain mit ihren Kindern ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und dort am 12. Dezember 1943 ermordet. Von Edmund und Julia Wilhelmine Lavontains Kindern überlebten nur die beiden ältesten Töchter Gaisa Wilhelmine und Magdalena Rosemarie.

Julia Wilhelmine Lavontain

* 17. Oktober 1901 in Finsterboden bei Himmelried, Schweiz + 12. Dezember 1943 in Auschwitz

Julia Wilhelmine Lavontain wurde am 17. Oktober 1901 geboren. Ihre Eltern waren Jakob Albert Lavontain und Klara Lavontain geborene Reinhardt. Der in Delle in Frankreich geborene Edmund Lavontain war ihr Partner. Seit Februar 1929 lebte Julia Wilhelmine Lavontain im Meisenweg 6 auf dem Düsseldorfer Heinefeld. Auf dem Heinefeld gelangte die Familie in Kontakt mit dem Maler Otto Pankok. Unter anderem porträtierte er ihre Tochter Gaisa.

Am 11. September 1937 wurde Julia Wilhelmine Lavontain mit ihren Kindern im Lager Höherweg interniert. Ihr Partner Edmund konnte sich der Internierung einige Monate entziehen. Am 10. März 1938 brachte man auch ihn zum Lager Höherweg.

Am 18. Juli 1939 zog Familie Lavontain nach Remscheid, wo sie darauf im Lager Gründerhammer interniert wurden. Julia Wilhelmine Lavontains Partner Edmund Lavontain wies die Kriminalpolizei Wuppertal zu einem unbestimmten Zeitpunkt in ein Konzentrationslager ein. Am 29. September 1942 wurde er im Konzentrationslager Dachau ermordet. Verwitwet verblieb Julia Wilhelmine Lavontain mit ihren Kindern im Lager Gründerhammer. Im März 1943 wurden sie ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Von Edmund und Julia Wilhelmine Lavontains Kinder überlebten nur die beiden ältesten Töchter Gaisa Wilhelmine und Magdalena Rosemarie.

Karl Winter

* 3. August 1912 in Thann, Elsass + 20. November 1940 im KZ Dachau

Karl Winter wurde am 3. August 1912 als Sohn von Karl Winter und Rosa Winter, geborene Dittrich, geboren. Im Juni 1933 ließ sich der Musiker erstmals in Düsseldorf nieder Ab dem 8. Dezember 1936 musste er im Obdachlosenasyl in der Ulmenstraße 220 leben.
Am frühen Morgen des 17. September 1939 wurden 27 Sinti, darunter auch Karl Winter, im Lager Höherweg verhaftet und zur sogenannten „Dienststelle für Zigeunerfragen“ im Polizeipräsidium Düsseldorf gebracht. Dort wurden ihnen endgültig ihre Wandergewerbescheine entzogen.
Zur Verbüßung angeordneter Vorbeugehaft verhaftete Kriminalassistent Mumm Karl Winter und Friedrich Reinhardt und lieferte sie am 7. Oktober 1939 ins Polizeigefängnis ein. Zwei Täge später wurden sie wieder entlassen.

Am 20. Dezember 1939 verhaftete die Kriminalpolizei Karl Winter erneut und brachte ihn ins Düsseldorfer Gefängnis. Von dort wurde Karl Winter nach zwanzig Tagen Haft gemeinsam mit seinem Mithäftling Walter Düning am 29. Januar in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert. Dort erhielt er die Häftlingsnummer 8823. Von Sachsenhausen wurde Karl Winter im März 1940 in das Konzentrationslager Dachau verlegt. Im September brachte man ihn für zwei Wochen zurück nach Sachsenhausen, bevor er am 17. September erneut nach Dachau deportiert wurde.
Karl Winter starb am 20. November um 2 Uhr nachts im Konzentrationslager Dachau.

DIE WEITE WELT. NEW YORK BIS KAPSTADT. AUTORENLESUNG MIT LUTZ VAN DIJK
Mittwoch, 3. Juni, um 18:30 Uhr im Beatrice-Strauss-Zentrum der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Marktstraße 2 (Innenhof).

Nach dem Erfolg von »Irgendwann die weite Welt« folgen wir nun Lutz van Dijk auf seinem Weg nach New York: Mit 18 verlässt er das heimatliche Westberlin zu Mauerzeiten und bricht auf nach New York. Dort kommt er mit nur 50 Dollar in der Tasche an. Als Fremder in der fremden Stadt ist er arbeitslos und zudem auch noch schwul. Dann aber trifft er Menschen. Einfache Menschen. Eine Putzfrau in Manhattan, einen Flüchtling aus Haiti. Und in Pennsylvania bekommt er seinen ersten Job als Busfahrer. Ausgehend von diesem gewagten Aufbruch nimmt uns Lutz van Dijk mit zu den Stationen seines bewegten Lebens – weiter über Hamburg, Jerusalem und Amsterdam bis hin nach Kapstadt.- Der zweite Teil von Lutz van Dijks Memoiren zeigt: als schwuler Mann kann man überall zuhause sein.

Infos zum Autor: Dr. Lutz van Dijk wurde 1955 in West-Berlin geboren. Ab 1978 arbeitet er als Lehrer in Hamburg. Nach einigen Jahren beginnt er ein in Hamburg Zweitstudium der Geschichte u.a. in Israel, später Mitarbeiter der Anne Frank Stiftung in Amsterdam. Seit 2001 als Mitbegründer der Stiftung HOKISA für von AIDS betroffene Kinder und Jugendliche in Kapstadt. Seine Bücher für Erwachsene und Jugendliche wurden in viele Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Jugendliteraturpreis von Namibia 1997 und dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2001. 2003 erhielt er für sein Engagement für die Rechte von Homosexuellen den Rosa Courage Preis von Gay in May, Osnabrück. 2009 wurde ihm die Poetik-Ehrenprofessur der Universität Oldenburg verliehen. Sein im Querverlag erschienener Roman Kampala – Hamburg wurde 2021 für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos und eine Anmeldung nicht nötig. Der Zutritt zum Beatrice-Strauss-Zentrum ist barrierefrei.

Eine gemeinsame Veranstaltung der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf mit dem Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung und der Schwulenberatung Düsseldorf.