„Anders zu sein,        
das muss man üben.“ Dieter Linz

Neue Homepage online

Zwischen Volksfest und Verfolgung - Der Düsseldorfer Volksgarten in der NS-Zeit

Der Nationalsozialismus ist auch an Alltagsorten in Düsseldorf ständiger Begleiter. Oft übersehen oder unsichtbar, finden sich an diesen Orten Spuren der Geschichte: auch im Volksgarten. Die neue Website ermöglicht diese Spuren über eine interaktive Karte sichtbar zu machen.

Der Volksgarten wurde in der NS-Zeit für Großveranstaltungen genutzt. So fanden auf der Ballonwiese, wo seit 2013 jährlich das Rock gegen Rechts Festival stattfindet, Volksfeste wie das Erntedankfest oder die KdF-Feier statt. Durch pompöse Aufmärsche, geschickt inszenierte Fahnenweihen, Platzkonzerte, Kundgebungen und allerlei Gedenktage entstanden Propagandabilder, die in den Köpfen hängen blieben. All dies diente dazu, das Bild der sogenannten Volksgemeinschaft zu stärken.
Während in unmittelbarer Nähe auf dem Gelände des Volksgartens und des heutigen Südparks hunderte Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlingen unter menschenunwürdigen Bedingungen interniert waren.

Erfahre mehr über die Geschichte des Volksgartens und entdecke die Spuren des Nationalsozialismus – entweder selbstständig mit Hilfe der Website oder geführt von Historiker:innen.

Recherche und inhaltliche Ausarbeitung haben die Historiker Jona Winstroth und Nils Beldermann durchgeführt. Die Illustrationen stammen von Paul Plasma. Sowohl das Webdesign als auch die technische Umsetzung hat Oliver Bremer beigesteuert.

Entstanden ist das Projekt durch eine Kooperation von Rock gegen Rechts Düsseldorf e.V. und dem Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., gefördert durch die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur.


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Karola Regent (Hannele Zürndorfer) verstorben

Gestern haben wir erfahren, dass Karola Regent im Alter von 98 Jahren verstorben ist. Die meisten Menschen in Düsseldorf kannten sie unter ihrem Mädchennamen: Hannele Zürndorfer.

Geboren wurde sie am 5. Dezember 1925 als Tochter von Adolf und Elisabeth Zürndorfer, geborene Rheinheimer. Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Lotte wuchs Hannele in Gerresheim auf. Ihre Lebenserinnerungen, erstmals 1988 veröffentlicht, veröffentlichte sie 1997 in einer überarbeiteten Auflage in Düsseldorf unter dem Titel: Verlorene Welt. Jüdische Kindheit im Dritten Reich. Ein besonders Kapitel betrifft den Überfall auf ihre Familie während des Novemberpogroms 1938. Kurz darauf konnten Hannele und ihre Schwester Nazideutschland mit Hilfe eines Kindertransports verlassen.

Großbritannien wurde ihre zweite Heimat. Ihre Eltern konnten ihnen nicht rechtzeitig folgen und wurde 1941 deportiert und überlebten nicht. Dennoch reichte Karola Regent Düsseldorf wieder die Hand. Sie stand uns, der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, für Gespräche zur Verfügung. Wichtig war ihr auch besonders unsere pädagogische Arbeit und der Kontakt mit jungen Menschen. Im Jahr 2001 prägte sie beispielsweise als Zeitzeugin ein mehrtägiges Ferienprogramm in der Gedenkstätte. Seit 2003 trägt ihre alte Grundschule in Düsseldorf-Gerresheim ihren Namen.

Wir und Düsseldorf verlieren in ihr eine sympathische Kämpferin für Toleranz und Dialogbereitschaft.

[Fotos: Karola Regent bei der Namensgebung der Hanna-Zürndorfer-Grundschule / Erster Schultag 1932 / Mit Schwesterchen Lotte und ihrem Vater Adolf Zürndorfer]

DER KATALOG IST DA!

Brandgefährlich - der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung

Der Katalog BRANDGEFÄHRLICH zur gleichnamigen Sonderausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf thematisiert unter anderem dass Verhalten der Feuerwehr während des Novemberpogroms 1938, in der auch in der Düsseldorfer Innenstadt sowie in Benrath die Synagogen brannten. Sie fragt nach der Personalpolitik und der ideologischen Ausrichtung, beleuchtet die Rolle der Feuerwehr bei der im Juli 1942 erfolgten Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Düsseldorf ins Ghetto Theresienstadt. Auch die Entnazifizierung der Düsseldorfer Berufsfeuerwehr wird beleuchtet.

Der Katalog zur Sonderausstellung ist ab sofort erhältlich in der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf oder im Buchhandel.

BRANDGEFÄHRLICH. Die Düsseldorfer Feuerwehr 1933-1945, herausgegeben vom Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V., 80 Seiten, zahlreiche Abbildungen, C.W. Leske Verlag, Düsseldorf 2023, 10 Euro, ISBN 978-3-946595-43-4.

STOLPERSTEINE IN DÜSSELDORF

NEUE HOMEPAGE MIT INFORMATIONEN ZU DEN DÜSSELDORFER STOLPERSTEINEN AB JETZT ONLINE

Die Mahn- und Gedenkstätte, der Förderkreis und das Vermessungs- und Katasteramt der Landeshauptstadt Düsseldorf haben am 23. August im Beisein von Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller eine Homepage vorgestellt und freigeschaltet, mit der man die „Stolpersteine“ und die dazugehörigen Biografien online suchen und finden kann.
Die Projektleiterin Hildegard Jakobs, stellvertretende Leiterin der Gedenkstätte, stellte das Onlineangebot vor. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Julia Blüm, Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde hielten Grußworte und dankten der Historikerin. Thomas Weindel, Leiter des Vermessungs- und Katasteramtes, und sein Amt haben das digitale Kartenmaterial und die topografischen Daten beigesteuert.

„Noch 2012 haben wir ein gedrucktes Buch mit den Biografien der NS-Opfer, derer mit einem Stolperstein gedacht wird, vorgelegt. Dies war sehr schnell vergriffen. Heute sind wir mit den digitalen Möglichkeiten ein gutes Jahrzehnt weiter“, so die Historikerin Hildegard Jakobs.
Für die Gedenkstätte und ihren Förderkreis ist es wichtig, die ermordete Person nicht nur mit knappen Daten und dem Grund der Ermordung, sondern mit einer Kurzbiografie und weiteren Informationen zu würdigen. „Das ergänzt das Projekt des Künstlers hier vor Ort sehr stark und beantwortet viele Fragen der Anwohnerinnen und Anwohner und wird auch verstärkt in der Bildungsarbeit der Gedenkstätte eingesetzt“, so Jakobs.

Unter www.gedenkstaetteduesseldorf.de ist der Zugang unter der Rubrik „Stolpersteine“ von nun an möglich. Dort kann nach Straßen und Namen gezielt gesucht werden.
Zusätzlich ist das Angebot auch über www.maps.duesseldorf.de verlinkt. Unter der Rubrik: Kultur und Tourismus/Stolpersteine kann die gesamte Stolperstein-Karte eingesehen werden.


zu den Stolpersteinen

NEUE MATERIALIEN

„VIER NEUE DIDAKTISCHE WORKSHOP-MATERIALIEN“ Tandemprojekt „Spannungsfeld Gedenkstättenarbeit in einer wandelnden Gesellschaft“

Am 10. August 2023 präsentierte die Mahn- und Gedenkstätte der Landeshauptstadt Düsseldorf vier didaktische Workshop-Materialien, die im Rahmen des Tandem-Projektes „Spannungsfeld Gedenkstättenarbeit in einer sich wandelnden Gesellschaft“ gemeinsam mit der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld – Villa Merländer entwickelt wurden. Dieses Projekt wurde durch das Förderprogramm „Jugend erinnert“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien initiiert. Die Projektkoordination übernahm Sandra Franz, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle der Stadt Krefeld, während die Umsetzung durch die pädagogischen Mitarbeitenden Daniel Simon (NS-Dokumentationsstelle Krefeld) und Milena Rabokon (Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf) erfolgte.
Die beiden pädagogischen Mitarbeitenden stellten die Workshop-Materialien zusammen mit Sandra Franz, Leiterin der NS-Dokumentationsstelle Krefeld, Dr. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, und Astrid Hirsch von Borries, wissenschaftliche Mitarbeiterin für digitale Kommunikation der nordrhein-westfälischen Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration Josefine Paul vor. Ebenso nahm die Dezernentin für Kultur und Integration, Miriam Koch, an der öffentlichen Vorstellung teil.
Über einen Zeitraum von drei Projektjahren hinweg widmeten sich Daniel Simon und Milena Rabokon einer intensiven Archivrecherche. Diese eingehende Auseinandersetzung mit den Quellen bildete die Grundlage für die Entwicklung der Workshops. Dabei wurden jeweils vier Workshops für Krefeld und vier für Düsseldorf konzipiert:

„Nur für Arier“? – Sport im Nationalsozialismus
Auf der Fährte – „Unangepasste“ Jugendliche in der NS-Zeit
„Rädchen im Getriebe“? – Schreibtischtäter:innen in der NS-Zeit,
„Was hat das mit mir zu tun?“ – Flucht und Migration in der NS-Zeit.

Das Projekt verfolgt einen innovativen Ansatz, in dem Teilnehmer:innen durch speziell gestaltete pädagogische Workshop-Materialien erreicht werden, die bisher in den lokalen pädagogischen Bildungsangeboten kaum Berücksichtigung fanden. Dies ermöglicht beiden Städten, sich intensiv mit ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.
Die Workshops bieten den Teilnehmer:innen die Gelegenheit, sich eingehend mit der Geschichte des Nationalsozialismus zu beschäftigen. Dabei kommen ausgewählte Dokumente, Fotos und Interviews von lokalen Zeitzeug:innen zum Einsatz, um einen Austausch verschiedener Perspektiven zu ermöglichen. Die interaktiven und multimedialen Bildungsangebote ermutigen die Teilnehmer:innen, Vergangenheit und Gegenwart kritisch zu reflektieren und eigene Standpunkte zu entwickeln.
Das Projekt hat bereits verschiedene Zielgruppen erfolgreich angesprochen, darunter lokale Sportvereine, Jugendorganisationen, Ausbildungsstätten im Verwaltungsbereich sowie Integrationszentren.

Die Durchführung der Workshops findet in der Gedenkstätte statt. Die Termine müssen dort abgestimmt werden.

„ICH MÖCHTE SO GERNE MEIN LEBEN IN DIE WELT SCHREIEN!“ – ADELE HAAS, EINE INTERGESCHLECHTLICHE PERSON IM NATIONALSOZIALISMUS. EIN VORTRAG VON JAKO WENDE
Donnerstag, 5. Februar 2026, um 18:30 Uhr im Beatrice-Strauss-Zentrum der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Marktstraße 2 (Innenhof)

„So könnte ich so viel schreiben, aber ich rege mich dabei so auf, denn ich darf nicht zurück denken, es ist mir heute wie ein Traum. Ich möchte so gerne mein Leben in die Welt schreien, und veröffentlichen aber dazu gehört Geld, und das fehlt bei mir, es ist doch bestimmt einmalig und interessant, garnicht zu glauben, es klingt wie ein Märchen, überhaupt das ich das ausgehalten habe, und noch lebe ein Wunder.“ schreibt Adele Haas am 28. März 1961.

Intergeschlechtliche oder inter* Personen haben Merkmale von männlichen und weiblichen Körpern. Sie waren und sind schon immer da gewesen. Aufgrund von gesellschaftlicher Norm mal mehr oder weniger akzeptiert, bis hin zur Verfolgung und Ermordung. Wie war es als intergeschlechtliche Person während des Nationalsozialismus zu leben? Einem System mit klaren Geschlechterbildern und konstruierten medizinischen Normen sogenannter männlicher oder weiblicher Körper.

An diesem Abend wird uns Jako Wende das Leben von Adele Haas näherbringen. Adele war als inter* Person im Nationalsozialismus massiver Gewalt ausgesetzt, weil sie nicht der sogenannten Norm entsprach. Jako Wende hat dafür in zahlreichen Archiven recherchiert und Kontakt zu noch lebenden Verwandten und Nachbarn aufgenommen um das Leben von Adele Haas nachzeichnen zu können.

Es wird auch um den allgemeinen Forschungsstand zur Situation von inter* Personen im Nationalsozialismus gehen, doch Kern des Vortrages ist es, Adele ihr Leben in die Welt schreien zu lassen.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos und eine Anmeldung nicht nötig.
Der Zutritt zum Beatrice-Strauss-Zentrum ist barrierefrei.